Diabeteszentrum Rheinland Haan

Diabetologie und Endokrinologie

Patienten mit Diabetes mellitus dürfen sich auf die Experten im St. Josef Krankenhaus Haan verlassen. 48 Patienten können hier im Diabeteszentrum Rheinland Haan in Ein- und Zweibett-Zimmern mit Bad stationär von einem erfahrenen Team behandelt werden.

Die Klinik für Diabetologie mit überregionalem Versorgungsauftrag zählt im aktuellen Krankenhausvergleich des Nachrichtenmagazins Focus zu den Top-Zentren in Deutschland.

Viele verschiedene Berufsgruppen arbeiten in der Diabetologie zusammen, um jeden Patienten individuell betreuen zu können. Das interdisziplinäre Team besteht aus:

  • Arzthelferinnen und Medizinisch Technischen Assistenten
  • Fachärzten für Diabetologie und Ärzten in Ausbidlung
  • Diabetesberatern DDG
  • Diabetologisch geschultem Pflegepersonal
  • Diplom-Sozialarbeitern
  • Diplom-Sportlehrern
  • Diplom-Psychologin
  • Podologin
  • Wundmanagerin

Die Patienten mit allen Typen des Diabetes mellitus werden von Pflegepersonal mit langjähriger Erfahrung im Bereich Diabetes betreut. Nach der Überweisung durch niedergelassene Vertragsärzte oder Praxen mit Diabetesschwerpunkt können folgende Patientengruppen auch ambulant betreut werden:

  • Typ-1-Diabetiker
  • Insulinpumpenträger
  • Schwangere Diabetikerinnen
  • Diabetiker mit diabetischem Fußsyndrom

Das Diabeteszentrum Rheinland Haan arbeitet eng mit allen Abteilungen des St. Josef Krankenhauses Haan zusammen – insbesondere mit den zertifizierten Zentren für Gefäß- und Fußchirurgie und dem Schlaflabor der Inneren Medizin. Zusätzlich bestehen Kooperationen mit externen Partnern wie dem Nephrologischen Zentrum Haan, der radiologischen Praxis 360° und einem niedergelassenen Augenarzt in konsiliarischer Betreuung.

Schwerpunkte des Diabeteszentrums

Typ-1 bis Typ-4 Diabetes mellitus

Mehr als vier bis sechs Millionen Deutsche leiden unter einem Diabetes mellitus, weniger als  fünf Prozent von ihnen unter einem Typ-1 Diabetes mellitus. Dieser Diabetestyp ist eine Stoffwechselerkrankung, die zu erhöhten Blutzuckerwerten durch absoluten Insulinmangel führt.

Insulin sorgt als Hormon dafür, dass Körperzellen Zucker (Glucose) als „Energielieferant“  aufnehmen. Meist beginnt die Krankheit schon im Kindes- oder Jugendalter, weshalb sie auch früher jugendlicher Diabetes hieß. Auch Erwachsene und sogar alte Menschen können daran erkranken, werden aber oft fälschlicherweise als Altersdiabetiker (Typ-2 Diabetes mellitus) behandelt.

Unter Typ-3 Diabetes mellitus fallen acht Untergruppen von Hormon-Erkrankungen, direkte Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, die einen Diabetes mellitus nach sich ziehen, medikamentös ausgelösten Diabetes mellitus und seltene Erb-Erkrankungen.

Unter Typ-4 Diabetes mellitus versteht man den Diabetes mellitus der sich in der Schwangerschaft entwickeln kann.

Wie entsteht Typ-1 Diabetes mellitus?

Der Typ-1 Diabetes mellitus ist eine sogenannte Autoimmunerkrankung, bei der körpereigene Abwehrstoffe (Antikörper) die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstören. Das führt im Körper zum absoluten Insulinmangel. Zucker (Glucose) ist ein wichtiger Energielieferant für die Zellen. Diese brauchen Insulin, um Zucker aus der Blutbahn aufnehmen zu können. Ohne Insulin steigt der Blutzuckerspiegel an, weil die Glukose nicht in die Zellen gelangt. Die Ursachen der fehlerhaften Immunreaktion  sind noch weitestgehend unbekannt. Erbfaktoren spielen zwar eine Rolle, aber in geringerem Maße als bei Typ-2 Diabetes. Umweltfaktoren und Ernährungsgewohnheiten scheinen den Typ-1 Diabetes zu beeinflussen.

Was sind die Symptome beim Vorliegen eines Typ-1 Diabetes mellitus?

Typische Diabetes-Symptome sind:

  • Häufiges Wasserlassen
  • Großer Durst durch Wasserverlust
  • Gewichtsverlust
  • Schwächegefühl und Leistungsminderung

In einigen Fällen entwickelt sich eine lebensgefährliche Komplikation, die sogenannte Ketoazidose: Zusätzlich zu den oben genannten Symptomen treten dann z.B.

  • Übelkeit
  • Brechreiz
  • Azetongeruch des Atems (riecht nach Nagellackentferner)
  • und Bauchschmerzen auf.

Später kommen Konzentrations- und Bewusstseinsstörungen hinzu, die in das lebensgefährliche ketoazidotische Koma übergehen können.

Wie wird Typ-1 Diabetes mellitus diagnostiziert?

Um einen Typ-1 Diabetes mellitus festzustellen, bestimmt der Arzt den Blutzuckerwert. Bei gesunden Menschen beträgt der im Nüchtern-Zustand deutlich weniger als 100 mg/dl. Bei Diabetikern sind die Werte höher als 126 mg/dl. Darüber hinaus wird die Konzentration des Zuckers im Urin bestimmt. Zucker gelangt vermehrt in den Harn, wenn eine Blutzuckerkonzentration von 150 bis 180 mg/dl überschritten wird.

Typ-1 Diabetes und Typ-2 Diabetes mellitus werden mittels einer Bestimmung von sogenannten Antikörpern im Blut unterschieden.

Wie wird Typ-1 Diabetes mellitus behandelt?

Der Typ-1 Diabetes ist bislang nicht heilbar, lässt sich aber meist gut mit Insulin behandeln. Die Patienten müssen lebenslang Insulin spritzen, um ihren Hormon-Mangel auszugleichen und den Blutzuckerspiegel zu normalisieren. Es gibt für Typ-1 Diabetiker verschiedene Arten der Insulinbehandlung:

  • Konventionelle Insulintherapie (CT)
  • Supplementäre Insulintherapie (SIT)
  • Intensivierte Insulintherapie (ICT)
  • Insulinpumpen-Therapie (CSII)
  • Sensorunterstützte Insulinpumpen-Therapie (SUP)

Im Einzelfall, vor allem wenn gleichzeitig Spender-Nieren transplantiert werden sollen, können insulinproduzierende Zellen der Bauchspeicheldrüse isoliert und transplantiert werden. Nach der Operation müssen die Patienten kein oder nur noch sehr wenig Insulin spritzen. Wie nach jeder Transplantation müssen sie aber Medikamente einnehmen, die das Immunsystem schwächen, damit der Körper die transplantierten Zellen nicht zerstört.

Was können Diabetiker selbst tun?

Diabetes und Ernährung:

Strenge Diätvorschriften müssen Sie nicht einhalten. Wichtig ist eine vollwertige, kaloriengerechte Mischkost, abgestimmt auf körperliche Aktivität und individuelle Lebensumstände.

Diabetes und Blutzuckerselbstkontrolle:

Blutzuckerselbstkontrolle und das ständige Anpassen der Insulin-Dosis sind die Basis für das Selbstmanagement des Diabetes mellitus.

Diabetes und Sport:

Sich regelmäßig zu bewegen, fördert nicht nur das Wohlbefinden. Es wirkt sich auch positiv auf das Herz-Kreislauf-System aus und verringert den Insulinbedarf.

Rauchen:

Rauchen erhöht das Risiko für Arteriosklerose (Verkalkung der Blutgefäße). Lassen Sie deshalb auch eventuelle Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck und Blutfette behandeln.

Infekte und Operationen:

Akute Erkrankungen wie fiebrige Infekte, aber auch Stress-Situationen wie Operationen können den Insulinbedarf erhöhen. Gehen Sie deshalb zu Arzt und verhindern so, dass der Stoffwechsel entgleist und es zu einer Ketoazidose kommt.

Mögliche Folgen eines Typ-1 Diabetes mellitus

Ist der Blutzucker optimal eingestellt, kann das Folgenkomplikationen des Diabetes mellitus deutlich vermindern oder sogar verhindern. Deshalb treten sie vermehrt und früher bei Patienten mit schlecht eingestelltem Diabetes auf. Die Lebenserwartung ist dann um einige Jahre – je nach Alter bei Beginn der Erkrankung – verkürzt. Durch eine optimale Blutzucker-Einstellung kann die Lebenserwartung umgekehrt gesteigert werden.

Der Krankheit vorzubeugen ist nicht möglich. Versuche, die immunologische Fehlentwicklung aufzuhalten, werden derzeit nur experimentell erprobt.

Zu den diabetischen Folgekomplikationen zählen:

1. Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) der großen Arterien (Gefäße). Mögliche Folgen davon sind:  
  • Koronare Herzkrankheit mit den möglichen Folgen (Herzinfarkt; Herzrhythmusstörungen, Herz-Pumpschwäche etc.)
  •  Schlaganfall
2. Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) der kleinen Arterien (Gefäße)
  • Diabetische Nierenkrankheiten (diabetische Nephropathie)
  • Diabetische Augenkrankheiten (diabetische Retinopathie)
3. Diabetische Nervenschädigung (diabetische Polyneuropathie)
4. Diabetisches Fußsyndrom und das sogenannte Charcot-Fußsyndrom

Typ-4 Diabetes mellitus: Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes)

Grundsätzlich muss unterschieden werden zwischen

  • Frauen die bisher keinen Diabetes mellitus hatten und in der Schwangerschaft eine diabetische Stoffwechsellage entwickeln (Gestationsdiabetes)
  • Typ-1 Diabetikerinnen die schwanger werden
  • Typ-2 Diabetikerinnen die schwanger werden

Für alle Gruppen gilt: Mit einer optimalen und ggf. bereits vor der Schwangerschaft begonnenen Betreuung, kann eine Diabetikerin ohne Komplikationen ein gesundes Kind zur Welt bringen. Ist die Schwangere aber nicht optimal eingestellt, kann es für sie und das Baby gefährlich werden.

Die Planung der Schwangerschaft sollte bei Diabetikerinnen bereits vor der Empfängnis beginnen, denn vom ersten Tag an kann ein erhöhter Blutzucker das Kind gefährden. Gerade die ersten drei Schwangerschaftsmonate sind entscheidend für die gesunde Entwicklung des Kindes. Doch leider klaffen Anspruch und Wirklichkeit auseinander: Trotz aller Diabetesschulungen sind weniger als zehn Prozent der Schwangerschaften von Ty-1 Diabetikerinnen geplant. Damit sinkt die Chance, das Risiko für Mutter und Kind klein zu halten erheblich.

Schwangerschaft mit unzureichend eingestelltem Diabetes mellitus

Ohne ärztliche Betreuung und nicht-normnaher Stoffwechseleinstellung ist die Schwangerschaft einer Frau mit Diabetes eine Risikoschwangerschaft.

Risiken für das Kind
  • Unterzuckerung des Kindes direkt nach der Geburt: Regelmäßige Blutzuckerkontrollen beim Kind innerhalb der ersten Tage und gegebenenfalls Glukosegaben verringern jedoch zumeist schwerwiegende gesundheitliche Folgen für das Kind.
  • Das Kind wird im Mutterleib zu groß: Aufgrund der unnormalen Gewichtszunahme kann es zu Problemen während der Geburt kommen. Trotz der Größe ist das Kind jedoch bezogen auf seine Organe häufig unreif. Besonders bedeutsam ist die zu langsame Ausreifung der Lunge. Zusätzlich kann die Fruchtwassermenge ansteigen. Folgen sind eine erschwerte Geburt mit Komplikationen. Häufig ist dann ein Kaiserschnitt erforderlich.
  • Angeborene Missbildungen (drei- bis sechsfach erhöhtes Risiko): Die Fehlentwicklungen betreffen das Herz, die großen Gefäße, das Rückenmark, das Gehirn, Harnwege und Skelett.
  • Die Kindessterblichkeit ist allein durch die Rate von fehlentwickelten Organen durch unzureichend eingestellten Blutzucker erhöht.
Risiken für Schwangere mit Diabetes
  • Stoffwechselentgleisungen im ersten Schwangerschaftsdrittel, oft bedingt durch Übelkeit und Erbrechen. In der späteren Schwangerschaft steigt der Insulinbedarf dagegen teilweise drastisch.
  • Diabetische Netzhauterkrankung (Retinopathie): Mindestens zehn Prozent der Diabetikerinnen ohne vorbestehende Retinopathie entwickeln diese während der Schwangerschaft. In 20 bis 50 Prozent kommt es zu einer Verschlechterung einer bereits bestehenden Retinopathie.
  • Fortschreiten eines diabetischen Nierenschadens: Besteht vor der Schwangerschaft eine diabetische Nephropathie, steigt das Risiko einer sogenannten Gestose. Erhöhter Blutdruck kann hierbei von Krampfanfällen bis hin zur Bewusstlosigkeit führen (Eklampsie). Die Schwangere muss dann im Krankenhaus intensiv überwacht werden. Für Mutter und Kind ist dieser Zustand lebensgefährlich.
  • Bei Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße ist eine Verschlechterung während der Schwangerschaft möglich.

Was können Schwangere tun, um Probleme zu vermeiden?

  • Rauchen und Alkoholkonsum vollständig einstellen
  • In Rücksprache mit dem Arzt die Einnahme von Medikamenten auf das absolut notwendige Maß reduzieren
  • Mindestens drei Monate vor der Schwangerschaft bei bekanntem Diabetes mellitus und während der gesamten Schwangerschaft anzustrebende normnahe Blutzucker-Einstellung:
Blutzucker-Zielbereich:         
  vor dem Essen: 65 bis 95 mg/dl.
 1 Std. nach dem Essen: 

unter 140 mg/dl

 2 Std. nach dem Essen: unter 120 mg/dl
 vor dem Schlafen: 90 -120 mg/dl
 nachts / 2.00-4.00 Uhr über 65 mg/dl
    
  • Intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT) oder Insulinpumpe, ggf. Glucose-Senor-unterstützt (SuP)
  • Die Insulinempfindlichkeit ändert sich im Verlauf der Schwangerschaft. Daher sollte häufiger der Blutzucker bestimmt werden, um darauf reagieren zu können. Eine kontinuierliche subcutane Glucose-Messung (CGM) kann sehr hilfreich sein, die oben genannten Therapieziele zu erreichen.
  • Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus vor der Schwangerschaft abklären und gegebenenfalls behandeln lassen.
  • Regelmäßiger Kontakt zwischen Patientin und Augenarzt, Frauenarzt, Diabetes-Schwangerschaftsambulanz
  • Stationäre Aufnahme zur Entbindung wie bei Nicht-Diabetikerinnen: Die Entbindung sollte, falls möglich, auf natürlichem Wege erfolgen. Das Stillen des Kindes ist auch aus Sicht des Diabetologen empfehlenswert. Die Insulindosis kann in der Stillperiode, im Vergleich zur Dosis im letzten Schwangerschaftsdrittel, oft vermindert werden.

Schwangerschaft bei Diabetes mit schwerwiegenden Folgeerkrankungen

Von einer Schwangerschaft wird ärztlicherseits abgeraten, wenn die Diabetikerinnen bereits unter fortgeschrittenen Folgeerkrankungen wie z.B. einem fortgeschrittenen Nierenschaden, einer schweren Netzhauterkrankung oder einer ausgeprägten Erkrankung der Herzkranzgefäße leiden. Wir empfehlen, sich von erfahrenen Diabetologen individuell beraten zu lassen.

Insulinpumpen-Therapie

Aus unserer langjährigen Erfahrung in der stationären und ambulanten Insulinpumpen-Therapie (CSII= engl. für continuous subcutaneous insulin infusion) im Diabeteszentrum Rheinland Haan kennen wir typische Denkmuster:

  • Nichtdiabetiker trifft auf Insulinpumpenträger: „Meine Güte, ist der/die krank.“
  • Diabetiker und Insulinpumpe: Das Wort Insulinpumpe weckt nach unvollständiger Beratung oft Angst und Ablehnung – leider auch bei Patienten, die profitieren könnten.
  • Krankenkasse und Insulinpumpe: „Das ist aber teuer. Muss das sein?“

Auf den ersten Blick sind die preislichen Bedenken nachvollziehbar. Etwa 3500 Euro kostet die Pumpe und die laufenden Kosten für Verbrauchsmaterialien liegen weit über denen für eine konventionelle (CT) oder intensivierte konventionelle Insulin-Therapie (ICT) mit Pens oder Spritzen.

Aber das ist zu kurzfristig gedacht. Abgesehen von der nicht messbaren, gewonnenen Lebensqualität für die Patienten unter CSII, stellt sich die Frage, was neben dem menschlichen Leid durch Diabetes-Folgekrankheiten die Therapie von Folge-Erkrankungen kostet. Die Antwort ist eindeutig: Das wird teurer für die Krankenkassen.

Damit die Krankenkasse die Kosten übernimmt, ist ein ärztliches Gutachten für den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) nötig. Die Beantragung einer Insulinpumpen-Therapie ist standardisiert.

Für welche Patienten mit Diabetes kommt eine Insulinpumpen-Therapie in Frage?

Eine Insulinpumpentherapie ist prinzipiell immer eine gute Therapie-Option bei Insulin-Mangeldiabetes (Typ-1, aber auch Formen des Typ-3 Diabetes mellitus). Vor allem sollten Diabetiker bei folgenden Problemen eine CSII in Betracht ziehen.

Typ-1 oder Typ-3-C-Diabetiker mit

  • Dawn-Phänomen (dawn steht für Morgendämmerung): erhöhter Insulinbedarf in den frühen Morgenstunden, der mit allen verfügbaren Basal-Insulinen nicht abgedeckt werden kann.
  • schweren nächtlichen Unterzuckerungen
  • instabiler Stoffwechseleinstellung mit unregelmäßigem Wechsel zwischen Hypo- und Hyperglykämien
  • verminderter Unterzuckerungswahrnehmung oder unplanbarem Tagesablauf, z.B. bei Wechselschichten
  • Schwangere Typ-1 Diabetikerinnen
  • Kinder und Jugendliche mit Typ-1 Diabetes mellitus

Allgemein gesagt kann die Insulinpumpe eine gute Möglichkeit für Diabetiker sein, die durch eine intensivierte Insulintherapie (ICT) die Therapieziele nicht erreichen.

Durch die Kopplung der CSII mit einer kontinuierlichen subcutanen Glucose-Messung ( SuP) können ggfs. noch bessere Stoffwechseleinstellungen erzielt werden.

Insulinpumpen-Therapie (CSII) – wie funktioniert das?

Eine Insulinpumpe wird nicht – wie vielfach vermutet – ähnlich einem Herzschrittmacher eingepflanzt. Stattdessen tragen ihre Nutzer sie in der Hosentasche oder am Gürtel. Das Prinzip ist einfach: Die Insulinpumpe, die kleiner als ein Päckchen Papiertaschentücher ist, ersetzt den Insulin-Pen oder die Spritze. Ein kleiner Elektromotor pumpt das Insulin aus einer Ampulle in einen dünnen Kunststoffschlauch (Katheter), an dessen Ende eine Nadel eingeschweißt ist. Über diese Nadel gelangt das Insulin dann in das Unterhautfettgewebe der Bauchdecke.

Bei sog. Patch-Pumpen bedarf es keines Insulinpumpen-Katheters. Die Pumpen werden auf die Haut geklebt und ein kleiner Teflon-Schlauch verbindet die Insulinpumpe mit dem Unterhautfettgewebe.

Die Pumpgeschwindigkeit wird den Bedürfnissen des Patienten entsprechend einprogrammiert.

Bei der Insulinpumpe sind zwei Prinzipen zu unterscheiden:

  • Insulin-Basalrate: Die Pumpe fördert kontinuierlich Insulin, um den basalen Insulinbedarf des Körpers mit schnellwirksamen Insulin abzudecken. Dafür ist in der intensivierten Insulintherapie das Verzögerungsinsulin zuständig.
  • Insulin-Bolus: Auf Knopfdruck kann der Patient aktiv zusätzliches Insulin abrufen, um entweder einen erhöhten Blutzucker zu senken oder um Insulin für eine kohlenhydrathaltige Mahlzeit abzurufen. Ein in die Insulinpumpe integrierter sog. Insulin-Bolusrechner kann einen Dosisverschlag errechnen, wenn die Insulinpumpe den aktuellen Blutzuckerwert mitgeteilt bekommt. Dabei berechnet der Bolusrechner die ggf. vom letzten Insulinbolus noch restlich vorhandene Insulinmenge ein.

Neue Entwicklungen in der Insulinpumpentherapie

Die Insulinpumpen der neueren Generation ab 10/2019 können mit einem sog. Glucose-Sensor, der den Zuckergehalt im Unterhautfettgewebe misst elektronisch verbunden werden. Sinkt der Blutzucker, schaltet sich die Insulinpumpe ab und bei steigendem Blutzucker wieder an.

Erhöhte Blutzuckerwerte kann die Insulinpumpe durch eine erhöhte Insulinabgabe ausgleichen helfen.

Insulin für die Insulin-Pumpen-Therapie

Es gibt keine sinnvolle Anwendung von Verzögerungsinsulinen in der Insulinpumpen-Therapie. Für die CSII kommen ausschließlich schnell wirksames Normalinsulin oder schnellwirksame Insulin-Analoga in Frage.

Hat die Insulinpumpen-Therapie auch Nachteile?

Einige lästige Nachteile der intensivierten konventionellen Insulintherapie bleiben leider auch bei der CSII bestehen:

  • Der Blutzucker muss weiterhin – sogar häufiger – getestet werden, weil schnellwirksames Insulin zum Einsatz kommt und dadurch Katheterverstopfungen schneller zu unerwünschten Blutzucker-Spitzen führen. Spätestens vier Stunden nach Katheterverschluss steigt der Blutzucker bei absolutem Insulinmangel und es kann sich eine Ketoazidose entwickeln. Vier bis sechs Blutzuckertests täglich sind ein Muss.

Die Entwicklung bei den Systemen mit kontinuierlicher Zuckermessung im Unterhautfettgewebe (CGM= continuous glucose measurement), insbesondere denen die elektronisch mit der Insulinpumpe kommunizieren (SuP) lassen hoffen, dass die häufigen Blutzucker-Selbstkontrollen vermindert werden können

  • Der Kohlenhydratanteil von Mahlzeiten muss weiterhin abgeschätzt werden.
  • Der Effekt von Muskelarbeit muss weiterhin abgeschätzt werden.

Wer profitiert von der Insulinpumpen-Therapie?

Wer überlegt, eine Insulin-Pumpe zu tragen, sollte unbedingt ein ärztliches Beratungsgespräch führen. Dieses Gespräch ist allein Aufgabe des Arztes und kann nicht an ärztliches Hilfspersonal oder Mitarbeiter von Herstellerfirmen abgegeben werden. In dem Gespräch müssen die persönlichen Bedürfnisse des Patienten, mögliche Krankheiten und Begleitmedikamente durchgesprochen werden. Nach diesem Gespräch sollte der Patient das Pro und Kontra in Ruhe überdenken und sich für seine Entscheidung genügend Zeit nehmen.

Was spricht für eine Insulinpumpen-Therapie? (Kein Anspruch auf Vollständigkeit)

  • Patienten sollten motiviert sein, optimal mit dem Diabetes zu leben, den Blutzucker zu testen und dies zu dokumentieren.  
  • Instabile Stoffwechseleinstellung: Mit der Pumpen-Therapie gelingt häufig eine optimalere Stoffwechseleinstellung als unter intensivierter konventioneller Insulintherapie (ICT) – die entscheidende Grundlage zur Vermeidung diabetischer Folgeerkrankungen.
  • Dawn-Phänomen: Der nächtliche Insulinbedarf kann mit der CSII individueller beantwortet werden, wovon insbesondere Patienten mit Dawn-Phänomen profitieren. Gerade der erhöhte Insulinbedarf zwischen circa vier und sieben Uhr lässt sich manchmal mit der ICT nicht ausreichend gut abdecken.
  • Hypoglykämien: Gerade nächtliche Unterzuckerungen sind nach Ausschöpfung aller „ICT-Tricks" ein mögliches Pro-Argument für den Versuch einer CSII.
  • Beruf: Schwierigkeiten, eine ICT durch Schichtdienst o.ä. optimal durchzuführen
  • Schwangerschaft: Die normnahe Stoffwechseleinstellung (Blutzucker-Zielbereiche siehe oben) ist bereits vor einer Empfängnis anzustreben, um eine komplikationsfreie Schwangerschaft und ein gesundes Reifen des Kindes so weit wie möglich sicherzustellen. Eine instabile, nicht-normnahe Stoffwechseleinstellung bei Typ-1 Diabetes mellitus unter ICT sollte bei Schwangerschaftswunsch mit dem Versuch einer CSII-Therapie beantwortet werden.
  • Kinder und Jugendliche mit instabilem Diabetes mellitus

Was spricht gegen eine Insulinpumpen-Therapie? (Kein Anspruch auf Vollständigkeit)

  • Ketoazidose: Bei der CSII kann es zu einer Ketoazidose („Blutübersäuerung“ bei extremer Blutzucker-Erhöhung) kommen. Innerhalb weniger Stunden ohne Insulinzufuhr (z. B. bei einer Insulinkatheterverstopfung) beginnen für den Patienten mit absolutem Insulinmangel ernsthafte Probleme. Patienten müssen täglich mehrfache Blutzucker-Selbstkontrollen durchführen und den Insulin-Katheter regelmäßig wechseln.
  • Stabile Basalraten: Die in die Insulinpumpe einprogrammierte Basalrate ist natürlich nicht immer ideal. Etliche „störende“ Einflüsse bedingen bei fast jedem Patienten einen veränderten basalen Insulinbedarf. Wichtige Störfaktoren in diesem Zusammenhang sind Muskelarbeit, Gewichtsschwankungen, Menstruation und Alkoholgenuss.
  • Hygiene: Durch unzureichende Hygiene beim Pumpen-Katheter-Legen können bakterielle Infektionen, bis hin zur Abszessbildung, entstehen.
  • Allergien und CSII: Unverträglichkeitsreaktionen gegen Nickel in der Katheternadel-Legierung (es gibt aber auch ersatzweise Pumpen-Katheter mit Teflon) oder gegen das Pflaster zur Befestigung des Katheters an der Haut.
  • Technische Defekte: Die Pumpen funktionieren mittlerweile erstaunlich stabil. Aber Technik ist und bleibt anfällig. Pens als „Notausstattung“ sollte der Pumpenträger mit sich führen.
  • Psychologische Aspekte: Wie akzeptiert mein Partner die Pumpe? Fühle ich mich durch das Pumpentragen unfreier und immer an den Diabetes erinnert? Nach der Pen-Injektion lebe ich wie ein Nichtdiabetiker, insbesondere ohne „Apparat” am Körper.

Beantragung bei und Genehmigung durch die Krankenkassen

Ihr behandelnder Diabetologe muss ein so genanntes Antragsgutachten erstellen. Hierfür sind z.B. Angaben bezüglich diabetesbedingter Folgeerkrankungen, vereinbarter Therapieziele, der konkreten Einstellungsproblematik und Maßnahmen zur Problemlösung, Hypoglykämiehäufigkeit (gegebenenfalls mit Fremdhilfe) als auch die letzten vier HbA1c-Werte in Drei-Monatsabständen erforderlich.

Die Krankenkasse fordert Ihre Blutzucker-Dokumentation.

Glucose-Sensorunterstützte Insulinpumpen-Therapie (SuP)

Es gibt eine rasante technologische Entwicklung der Subkutanen kontinuierlichen Glucose-Messung (CGM). Dazu gibt es verschiedene Systeme verschiedener Hersteller. Die Vorteile der kontinuierlichen Glucose-Messung können mit der Insulinpumpen-Therapie kombiniert werden, so dass der aktuell Glucosewert aus dem Unterhautfettgewebe elektronisch an die Insulinpumpe übermittelt wird.

Über- oder unterschreitet die kontinuierliche Glucosemessung aus dem Unterhautfettgewebe Grenzen, stellt sich die Insulinpumpe ab, um Unterzuckerungen zu vermeiden. Seit 10/2019 gibt es bereits eine Insulinpumpe, die sich nicht nur bei niedrigen Glucosewerten abstellt, sondern auch bei erhöhten Blutzuckerwerten auch mehr Insulin zur basalen Insulinversorgung fördert.

Damit kommen wir technologisch einem sich selbst regulierenden System aus Blutzuckermessung und Insulinförderung aus einer externen Insulinpumpe sehr nah (sog. closed loop system).

Typ-2 Diabetes mellitus

Ein Diabetes mellitus kann verschiedene Ursachen haben. Rund 90 bis 95 Prozent der Diabetes-Erkrankungen sind dem Typ-2 Diabetes mellitus zuzuordnen.

Dieser Diabetes-Typ ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der einerseits der Blutzuckerspiegel erhöht ist (Normalbereich unter 100 mg/dl nüchtern) und andererseits der Zucker (Kohlenhydrate) nur ungenügend aus dem Blut in die Körperzellen gelangt, wo er als Energielieferant eine wichtige Rolle spielt. In Deutschland sind etwa vier bis sechs Millionen Menschen betroffen. Während er früher vor allem bei älteren Menschen auftrat, findet sich der Typ-2-Diabetes heute zunehmend auch bei übergewichtigen Kindern und jungen Erwachsenen. Die Krankheit beginnt schleichend und wird oft sehr spät erkannt, zum Teil erst Jahre nach dem symptomfreien Erkrankungsbeginn.

Eine Vorstufe des Typ-2 Diabetes ist die „pathologische Glukosetoleranz“: Der Körper kann mit der Nahrung zugeführte Kohlenhydrate nicht schnell genug verwerten. Die pathologische Glukosetoleranz und Diabetes sind häufig von Übergewicht, hohem Blutdruck, hohen Blutfettwerten und erhöhten Harnsäurewerten im Blut begleitet. Unter dem Begriff „Metabolisches Syndrom“ fassen Mediziner alle Symptome zusammen.

Wie entsteht Typ-2 Diabetes mellitus?

Bei Typ-2 Diabetes erkennen die Körperzellen das Hormon (Botenstoff) Insulin nicht mehr ausreichend. Sie reagieren zu schwach auf den Botenstoff, der den Zellen hilft, Zucker aufzunehmen. Um diese verminderte Insulinempfindlichkeit (Insulinresistenz) auszugleichen, reagiert die Bauchspeicheldrüse mit einer gesteigerten Produktion von Insulin. In der frühen Phase der Krankheit sind Insulin- und Blutzuckerspiegel gleichermaßen hoch.

Insulin wird in bestimmten Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gebildet. Die Hormonproduktion ist abhängig von der Nahrungsaufnahme (je mehr Kohlenhydrate wir essen, desto mehr Insulin produziert der Körper), vom Alter (im Alter nimmt die Hormonproduktion ab) und der Muskelarbeit (je mehr Muskelarbeit/Sport geleistet wird, umso weniger Insulin ist für die Zuckeraufnahme in die Körperzellen erforderlich).

Übergewichtigkeit und wenig Bewegung sind bekannte Risikofaktoren. Etwa 90 Prozent der Typ-2-Diabetiker sind übergewichtig. Zu Beginn der Erkrankung an Typ-2 Diabetes mellitus produzieren die Zellen der Bauchspeicheldrüse sehr viel Insulin. Dies führt zu einer regelrechten Überlastung der Bauchspeicheldrüse und schließlich (Monate bis Jahre später) dazu, dass die Insulinproduktion langsam „versiegt“ und ein absoluter Insulinmangel eintritt. Erst dann braucht auch der Typ-2-Diabetiker Insulin zur Therapie.

Welche frühen Symptome treten bei Diabetes Typ 2 auf?

In der Regel haben Typ-2-Diabetiker in einer frühen Phase der Krankheit nur unspezifische Symptome. Die Diagnose wird oft zufällig oder erst gestellt, wenn Folgekomplikationen der diabetischen Stoffwechsellage eintreten, etwa ein Herzinfarkt. Im Gegensatz zum Typ-1-Diabetes sind die Beschwerden meist nur milde und treten zu einem späteren Zeitpunkt auf:

  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit
  • Juckreiz
  • häufige Infektionen
  • häufiges Wasserlassen
  • starker Durst

Kann der Zucker von den Zellen nicht aufgenommen werden, steigt die Zuckerkonzentration im Blut. Ab einer bestimmten Blutzucker-Konzentration (etwa 180 mg/dl) gelangt der Zucker in den Harn. Der Zucker zieht Wasser in den Urin. Daher führt die erhöhte Zuckerausscheidung im Harn auch zu einer erhöhten Wasserausscheidung.

Wie wird Diabetes mellitus festgestellt?

Die Diagnose wird durch die Bestimmung des Zuckers im Blut gestellt. Der Blutzucker von Gesunden liegt nüchtern unter 100 mg/dl (= Milligramm pro Deziliter). Nach dem Essen steigt er auf maximal 140 mg/dl. Typisch für den Diabetes mellitus sind Blutzuckerwerte über 126 mg/dl im Nüchtern-Zustand und über 140 mg/dl zwei Stunden nach einer Mahlzeit. Sind Blutzuckerwerte im Grenzbereich festgestellt worden, wird zur weiterführenden Diagnostik vom Arzt ein sogenannter „oraler Glukosetoleranztest“ durchgeführt. Hierbei erhalten Sie morgens im nüchternen Zustand eine definierte Menge an Zucker (75 Gramm Glukose in Wasser gelöst). 60 und 120 Minuten nach der Zuckermahlzeit folgen weitere Blutzuckertests.

Wie wird Diabetes mellitus Typ 2 behandelt?

Die wichtigsten Therapiebausteine sind

  • Diabetes-Schulung der Patienten bezüglich Ursachen der Erkrankung, das Einhalten einer sog. diabetesgerechten Kost u.a.
  • das Gewicht zu reduzieren
  • sich regelmäßig zu bewegen (Muskelarbeit leisten)

Körperliche Bewegung verbessert die Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin. Daher sollte zu Beginn der Therapie versucht werden, mit diesen Allgemeinmaßnahmen zu helfen. Erst wenn das nicht zum Erfolg führt, sind Medikamente sinnvoll. Reicht die Insulinproduktion auch unter medikamentöser Therapie nicht mehr aus, wird zusätzlich Insulin gegeben.

Mögliche Folgen und akute Komplikationen eines Typ-2 Diabetes mellitus

Es können plötzliche Schwierigkeiten mit schwerwiegenden Folgen auftreten

  • Bewusstseinsverlust aufgrund zu hoher Blutzuckerwerte (hyperosmolares Koma)
  • Unterzuckerungen (Hypoglykämie) unter Medikation mit Insulin oder bestimmten blutzuckersenkenden Tabletten

Chronische Komplikationen von Diabetes (diabetische Folgeerkrankungen)

Bei Diabetikern können sich nach Jahren oder Jahrzehnten typische Folgeerkrankungen entwickeln. Je nach Krankheitsverlauf sind die Patienten unterschiedlich stark und mit unterschiedlichen Beschwerden betroffen. Auf welche Art hohe Zuckerwerte die Körperzellen schädigen, ist noch nicht vollständig erforscht. Bekannt ist, dass Diabetiker mit langfristig hohem Zuckerspiegel früher folgende Komplikationen entwickeln:

  • Gefäßveränderungen d.h. Verengungen und Verschlüsse von Arterien (v.a. Hirnschlag, Herzinfarkt, Nierenversagen, Blindheit)
  • Nervenschädigungen: Polyneuropathie
  • Diabetisches Fußsyndrom.

Mediziner unterscheiden zwischen einer Makroangiopathie (Veränderungen an großen Gefäßen) und einer Mikroangiopathie (Veränderungen an kleinen Gefäßen wie am Augenhintergrund, in den Nieren oder am Nervensystem). Die diabetischen Folgekomplikationen sind

  • Arteriosklerose (Veränderung der großen Gefäße)
  • diabetische Retinopathie (Veränderungen des Augenhintergrundes)
  • diabetische Nephropathie (Veränderungen der Niere) 
  • diabetische Neuropathie (Veränderungen im Nervensystem)
  • diabetisches Fußsyndrom

Was können Diabetiker selbst tun?

Einer der wichtigsten Bausteine der Therapie bei Typ-2-Diabetes mellitus ist die Diabetes-Schulung der Patienten durch Ärzte, Diabetes-Schwerpunktpraxen oder Diabetes-Fachkliniken wie das Diabeteszentrum Rheinland im St. Josef Krankenhaus Haan. Patienten müssen zum „Manager“ ihrer Erkrankung werden. Studien haben gezeigt, dass Diabetes-Folgekomplikationen deutlich abnehmen, wenn der Blutzucker vor und nach dem Essen gut eingestellt ist.

  • Lernen Sie, die Anzeichen von zu hohem und zu niedrigem (Hypoglykämie) Blutzucker zu erkennen.
  • Lernen Sie, als insulinpflichtiger Typ-2-Diabetiker Ihren Blutzucker selbst zu bestimmen und überprüfen Sie ihn regelmäßig. Sie sollten in die Lage versetzt werden, die Insulindosis selbst zu verändern.
  • Gehen Sie regelmäßig zu Ihrem Arzt. Er überprüft den HbA1c-Wert (Qualität der Blutzuckereinstellung in den drei bis vier Monaten), den Blutfettgehalt und die Nierenfunktionswerte im Blut. Er wird sich auch Ihre Füße ansehen, Ihre Blutzucker-Dokumentation kontrollieren, den Blutdruck messen und bei Bedarf weiterführende Untersuchungen  veranlassen.
  • Ebenso wichtig ist es, Übergewicht, erhöhten Blutdruck und erhöhte Blutfette zu senken.
  • Sie sollten das Rauchen aufgeben, da es das Arteriosklerose-Risiko erhöht.
  • Treiben Sie regelmäßig Sport. Das hilft Ihnen, Ihr Gewicht zu kontrollieren und wirkt sich günstig auf den Blutzucker aus.
  • Lassen Sie sich von Ihrem Arzt Ernährungsempfehlungen geben.

Verlauf des Typ-2 Diabetes mellitus

Wie Diabetes verläuft, ist stark davon abhängig, wie gut es Patienten gelingt, den Blutzucker langfristig einzustellen. Bei Typ-2-Diabetes mellitus wird der Verlauf hauptsächlich durch die Gefäßschäden (vor allem Herzkranzgefäße; das Gehirn versorgende Arterien; Nierenarterien) bestimmt – etwa drei Viertel der Betroffenen sterben verfrüht daran. Der Typ-2-Diabetes lässt sich über mehrere Jahre durch Gewichtsregulierung, gesunde Ernährung und vermehrte Bewegung (Muskelarbeit/Sport) behandeln. Dann erst wird die Therapie durch Medikamente (Tabletten, GLP-1-Hormon-Analoga-Injektionen oder Insulin) ergänzt.

Diabetisches Fußsyndrom

Häufige Folge eines  Diabetes mellitus ist das sog. diabetische Fußsyndrom, umgangssprachlich als „diabetischer Fuß“ bezeichnet. Im schlimmsten Fall endet diese Komplikation mit der Amputation des Fußes oder gar des Beines. Etwa 80 bis 90 Prozent der Amputationen könnten jedoch durch Vorbeugung und frühzeitige Therapie verhindert werden. Wichtig ist die Therapie in einer Diabetes-Fußambulanz. Hier werden die Arbeiten verschiedener Fachdisziplinen koordiniert, die für die Behandlung erforderlich sind. Betroffene bemerken oft nicht rechtzeitig, dass sie eines diabetisches Fußsyndrom entwickeln. Erst wenn sich Geschwüre oder schwer heilende Wunden an den Füßen bilden, nehmen sie ihn wahr. Das Risiko steigt, je länger Patienten an Diabetes leiden und je schlechter die Blutzuckerwerte langfristig eingestellt sind. Besonders gefährdet sind Diabetiker mit geschädigten Nerven (Polyneuropathie) oder verengten Blutgefäßen in den Beinen. Am besten beugt ein über Jahre gut eingestellter Blutzucker vor.

Wie entsteht das Diabetische Fußsyndrom?

Der diabetische Fuß ist auf zwei Folgeerkrankungen einer langjährigen Diabeteskrankheit zurückzuführen

  • diabetische Nervenerkrankung (periphere Polyneuropathie)
  • Verengung der Blutgefäße (periphere arterielle Verschlusskrankheit oder pAVK)

Wir unterscheiden Patienten mit diabetischem Fußsyndrom (DFS) bei denen

1. nur eine periphere Polyneuropathie (PNP) vorliegt (circa 50 Prozent der DFS-Patienten)
2. nur eine pAVK vorliegt (circa 25 Prozent der DFS-Patienten)
3. sowohl eine PNP als auch eine pAVK vorliegt (circa 25 Prozent der DFS-Patienten)

Periphere Polyneuropathie und Charcot-Fußsydrom

Bei einer pAVK werden die Beine und Füße nicht mehr ausreichend durchblutet. Dies führt dazu, dass selbst kleine Wunden am Fuß schlecht heilen. Die Füße sind kalt, die Haut ist dünn und blass oder bläulich gefärbt. Diabetiker, die sowohl unter einer peripheren Verschlusskrankheit (pAVK), als auch einer Polyneuropathie leiden, bemerken eine Entzündung an den Zehen oder am Fuß nicht ausreichend schnell.

Bakterien können sich, von den infizierten Entzündungsherden ausgehend, weiter im Gewebe des Fußes ausbreiten. Die schlechte Durchblutung der Füße beeinträchtigt die körpereigene Abwehr gegen die bakterielle Infektion. Im Extremfall erfasst die Entzündung den gesamten Fuß, später eventuell sogar den Unterschenkel und lässt sich letztlich nicht mehr mit Medikamenten (Antibiotika wie z. B. Penicillin) beherrschen.

 Die Amputation der Gliedmaße bleibt dann als letzte Therapie.

Vor jeder Amputation sollte sich der Diabetiker eine Zweitmeinung einholen, ob die Amputation erforderlich ist. Oft entwickelt sich dabei ein enormer Zeitdruck, da sich ein entzündeter diabetischer Fuß, ggf. auch unter Therapie mit Antibiotika, innerhalb von Stunden massiv verschlechtern kann.

Welche Anzeichen gibt es beim diabetischen Fuß?

Diabetiker haben zunächst nur sehr geringe oder überhaupt keine Beschwerden. Eine diabetische Nervenschädigung (Neuropathie) ist an folgenden Symptomen zu erkennen

  • Schmerzen, die durch Fremdkörper wie kleine Steine im Schuh entstehen oder Entzündungen, werden nur noch vermindert oder gar nicht mehr wahrgenommen 
  • Fehlbelastungen führen zur verstärkter Hornhautbildung, meist über den Mittelfußköpfchen und den Fersen
  • Unter den Hornhautschwielen kommt es zu Gefäßzerreißungen und Einblutungen unter die Haut. Diese Stellen brechen auf. Es entsteht ein diabetisches Fußgeschwür (Malum perforans), das sich mit Bakterien infizieren und auf das gesunde Umgebungsgewebe ausdehnen kann.

Wie erkennt der Arzt den diabetischen Fuß und seine Ursachen?

Der Arzt wird Ihnen eine Reihe von Fragen stellen, um sich ein erstes Bild von einem möglichen diabetischen Fußsyndrom zu machen.

  • Wie lange besteht der Diabetes?
  • Sind Schmerzen, Druck oder Temperaturveränderungen an den Füßen noch wahrnehmbar?
  • Leiden Sie unter Missempfinden an den Füßen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühl?
  • Rauchen Sie? Wenn ja: Wie viel? Raucher leiden häufiger an einer Durchblutungsstörung der Beine als Nichtraucher.
  • Trinken Sie Alkohol? Wenn ja: Wie viel? Alkohol führt zu einer Schädigung der Nervenbahnen.
  • Wie hoch ist Ihr Blutdruck?

Bereits der Hausarzt sollte Ihre Füße genau untersuchen: Wachstum und Gesundheit der Zehennägel, Druckstellen und kleine Wunden auf der Haut. Folgende Untersuchungen helfen, die richtige Diagnose zu finden

  • Reflex-Test: Menschen, die unter einer peripheren Polyneuropathie leiden, haben häufig verminderte Reflexe.
  • „Stimmgabeltest“: Er zeigt, wie gut Sie Vibrationen über den Knochenansatzpunkten der Füße erkennen.
  • Messung des Blutdrucks an den Fußarterien mittels Doppler-Ultraschall-Verfahren. Es wird eingesetzt, wenn bei der körperlichen Untersuchung keine oder nur abgeschwächte Pulse tastbar sind und damit der Verdacht auf Durchblutungsstörungen in den Beinen besteht.
  • Röntgenuntersuchung oder MRT: Sie zeigen mögliche Veränderungen der Fußknochen. Diese Verfahren werden vor allem eingesetzt, wenn es bereits zur Ausbildung von Fußdruckgeschwüren gekommen ist.
  • Befinden sich an den Füßen bereits Wunden, werden Wundabstriche entnommen und auf mögliche Krankheitserreger (Bakterien) untersucht.

Wie wird der diabetische Fuß behandelt?

Entscheidend ist es, die Ursachen des diabetischen Fußes zu beheben.

  • Die Blutzuckerwerte müssen gut eingestellt werden. Damit wird gleichzeitig dem Fortschreiten diabetesbedingter Nervenschädigungen und arterieller Durchblutungsstörungen der Beine und Füße vorgebeugt.
  • Haben sich offene Stellen am Fuß entzündet, müssen Erreger und Entzündung mit Antibiotika (Tabletten, Infusionen, aber niemals in Form von Salben) bekämpft werden.
  • Der Arzt muss die Wunden täglich reinigen und abgestorbene Haut bzw. Wundanteile entfernen.
  • Der Fuß wird gepolstert, um ihn zu entlasten. Außerdem sollten Sie eingeschränkte Bettruhe einhalten.
  • Unter Umständen müssen Sie sich im Krankenhaus behandeln lassen.
  • Ist die Infektion ausgeheilt, sollten Sie entsprechendes diabetesangepasstes Schuhwerk tragen, damit sich keine neuen Druckstellen bilden. Der verordnende Arzt sollte eng mit einem Orthopädie-Schuhmacher zusammenarbeiten.
  • Indem Sie mitdenken und aufmerksam sind, können Sie den schlimmsten Fall vermeiden: Die Amputation von Teilen des Fußes oder des Beins.
  • Vor jeder geplanten Amputation sollte ein Diabetesspezialist hinzugezogen und ggf. eine Zweitmeinung eingeholt werden.

Wie können Patienten dem diabetischen Fuß vorbeugen?

In der Diabetikerschulung erhalten Sie Hinweise, wie Sie einem symptomatischen diabetischen Fuß vorbeugen können.

  • Untersuchen Sie Ihre Füße täglich, besonders die Fußsohlen und Zehenzwischenräume.
  • Bitten Sie auch ihre Angehörigen um Hilfe, wenn Sie z. B. aufgrund von Sehschwierigkeiten Ihre Füße nicht selbst inspizieren können.
  • Achten Sie auf Hauteinrisse, Druckstellen, Hautrötungen, Haut-Blasen, Nagelveränderungen und Hornhautstellen.
  • Einmal im Vierteljahr und bei jeder Verletzung sollten Sie Ihre Füße vom Arzt untersuchen lassen.
Folgende Tipps helfen, das Risiko eines diabetischen Fußes zu verringern:
  • Waschen Sie Ihre Füße täglich mit einer milden Seife. Fußbäder mit einer Temperatur von 37 bis 38°C  dürfen nicht länger als drei bis fünf Minuten dauern, sonst können Bakterien in das aufgeweichte Gewebe eindringen. Patienten mit einer Neuropathie haben oft ein eingeschränktes Temperaturempfinden. Benutzen Sie ein Badethermometer, um Hautverbrennungen durch zu heißes Wasser zu vermeiden.
  • Cremen Sie trockene Haut an den Füßen ein, um Hautrisse zu vermeiden. Die Zehenzwischenräume sollen nicht eingecremt werden.
  • Wählen Sie Strümpfe mit hohem Baumwollanteil und ohne Nähte, die drücken könnten.
  • Verwenden Sie keine Hühneraugenpflaster und Salben, da diese ätzende Stoffe enthalten können.
  • Schneiden Sie die Zehennägel nicht mit einer spitzen Schere. Feilen Sie die Nägel gerade, damit sie nicht einwachsen.
  • Ziehen Sie individuell angepasstes Schuhwerk an, am besten nach Beratung durch einen Orthopädie-Schuhmachermeister. Laufen Sie angepasste neue Schuhe langsam ein.
  • Wenn Sie unter einer peripheren Polyneuropathie leiden: Laufen Sie nicht barfuß und verwenden Sie für Ihre Füße keine Kühlakkus, Heizkissen oder Wärmflaschen.

Diabetes mellitus und Schlafapnoe-Syndrom

Als obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom (OSAS) bezeichnen Ärzte Atemstillstände im Schlaf und einen verminderten Atemfluss mit abfallendem Sauerstoffgehalt im Blut. Typ-2 Diabetes mellitus, Übergewicht und das OSAS treten häufig gemeinsam auf. 20 bis 30 Prozent der Typ-2-Diabetiker sind betroffen. Typische Hinweise auf das OSAS sind

  • Tagesmüdigkeit
  • Unregelmäßiges Schnarchen
  • Aussetzen der Atmung während des Schlafs
  • Sekundenschlaf am Tag

 

Allgemeine Symptome sind

  • Reizbarkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Antriebslosigkeit
  • Kopfschmerzen

Schon Schnarchen allein gilt als Risikofaktor für das OSAS. Andererseits ist nicht jedes Schnarchen krankhaft, da 25 bis 50 Prozent der Menschen schnarchen, aber nur vier Prozent ein OSAS entwickeln.

Warum treten Typ-2-Diabtes mellitus und das Schlaf-Apnoe-Syndrom gemeinsam auf?

Der Zusammenhang von Diabetes mellitus Typ 2 und dem Schlaf-Apnoe-Syndrom ist noch nicht umfassend erforscht. Wahrscheinlich ist, dass durch die Atemstillstände hormonelle Stressreize erzeugt werden, die dann zur Insulin-Unempfindlichkeit und damit zu Diabetes führen. Anders als früher vermutet, betrifft dieses Problem sowohl übergewichtige als auch normgewichtige Menschen. Für beide gilt: Je höher der Grad des OSAS, umso schlechter die Insulinempfindlichkeit. Erforscht wird derzeit, ob durch die Therapie des OSAS die Blutzuckereinstellung verbessert werden kann. Sicher ist, dass das OSAS und Typ-2 Diabetes unabhängige Risikofaktoren für die jeweils andere Erkrankung darstellen.

Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 und Verdacht auf das Schlaf-Apnoe-Syndrom genießen im St. Josef Krankenhaus Haan große Vorteile:
  • Im Krankenhaus gibt es das Diabeteszentrum und ein Schlaflabor unter einem Dach. Die Wege sind kurz und die komplexen Zusammenhänge lassen sich schnell und unkompliziert abklären.
  • Die Behandlung von Diabetespatienten mit Schlaf-Apnoe mittels Sauerstoff-Therapie oder Masken-Therapie zählt zum Alltag. Die Kooperation zwischen Diabeteszentrum und Schlaflabor ist vorteilhaft für Diagnostik und Therapie.

Diabetes mellitus und Bluthochdruck

Drei Viertel aller Typ-2 Diabetiker haben einen zu hohen Blutdruck (Hypertonie). Im Vergleich zu Menschen ohne Diabetes sind sie doppelt so häufig betroffen. Das Risiko für Bluthochdruck steigt, wenn die Zuckerkrankheit die Nieren schädigt.

Je länger Menschen mit schlecht eingestelltem Typ-1 Diabetes leben, desto wahrscheinlicher erkranken sie an Hypertonie, die wiederum Schlaganfälle, Herzinfarkte, Schäden an Augen und Nieren und Durchblutungsstörungen begünstigt. Die Folgeerkrankungen lassen sich in Häufigkeit und Schwere mindern, wenn der Bluthochdruck frühzeitig behandelt wird.

Wie entsteht der Bluthochdruck?

Bei Typ-1-Diabetikern steigt der Bluthochdruck meistens dann, wenn die Nieren geschädigt sind. Hypertonie und Nierenschaden sind eng miteinander verknüpft und verstärken sich gegenseitig. Dieser Teufelskreis lässt sich durch eine frühzeitige Therapie des Bluthochdrucks unterbrechen. Mehr als die Hälfte der Diabetiker leiden bereits an Bluthochdruck, wenn die Zuckerkrankheit entdeckt wird. Risikofaktoren für die Hypertonie sind:

  • Stress
  • Übergewicht
  • Wenig Bewegung
  • genetische Faktoren
  • ungesunde Ernährung

Welche Beschwerden verursacht Bluthochdruck?

Bei vielen Menschen wird Bluthochdruck nur zufällig entdeckt, weil es oft keine Anzeichen dafür gibt. Gelegentlich treten folgende Symptome auf:

  • morgendliche Kopfschmerzen
  • Herzklopfen in Ruhe und bei Belastung
  • Ohrensausen und Schwindel
  • Häufiges Nasenbluten
  • Luftnot bei Anstrengung

Wie wird Bluthochdruck festgestellt?

Der systolische Druckwert bezeichnet den höchsten Druck, den das Herz beim Pumpen in den Arterien erzeugt. Der diastolische Druckwert gibt den Druck an, den das Kreislaufsystem ständig aufrecht erhält.

Normaler Blutdruck ( in mm Hg gemessen)
 systolisch 
optimal< 120< 80
normal< 130< 85
hochnormal< 13985-89
Bluthochdruck = arterielle Hypertonie (in mm Hg gemessen)
 systolischdiastolisch
Stadium 1140-15990-99
Stadium 2160-179100-109
Stadium 3> 180> 110

Misst der Arzt mehrmals Werte über 140/90 mmHg, leiden Sie an Bluthochdruck. Normalerweise liegen die Werte tagsüber um zehn Prozent höher als nachts. Der tageszeitliche Wechsel lässt sich mit einer 24-Stunden-Blutdruckmessung mittels einer Manschette am Oberarm und einem kleinen Messapparat am Gürtel überprüfen. Diese Messung gibt auch wichtige Informationen über eine ausreichende Medikation mit blutdrucksenkenden Mitteln in der Nacht.

Wie wird Bluthochdruck behandelt?

Ziel ist es, den Blutdruck langfristig zu senken. Das reduziert auch das Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt. Bei Diabetikern ohne Nierenschaden gilt es, den Blutdruck auf Werte unter 140/85 mmHg zu senken. Vertragen Patienten das gut, wird möglichst unter 130/80 mmHg gesenkt. Wer unter Nierenschäden leidet, sollte einen Blutdruck von weniger als 120/80 mmHg haben. Wer nur einen geringfügig erhöhten Blutdruck hat, kann ihn möglicherweise ohne Medikamente mit einer Umstellung der Lebensweise senken.

  • Nehmen Sie ab, wenn Sie übergewichtig sind
  • Treiben Sie regelmäßig Sport
  • Essen Sie möglichst wenig Salz
  • Vermeiden Sie Alkohol und verzichten Sie auf das Rauchen

Führen diese Maßnahmen nicht innerhalb von drei Monaten zu besseren Blutdruck-Werten, werden blutdrucksenkende Mittel erforderlich. 

Im St. Josef Krankenhaus Haan stellen wir uns mit unserem Expertenpool des BludruckZentrums Rheinland Haan dem Bluthochdruck entgegen. Wir helfen Ihnen, mit den Risikofaktoren umzugehen und geben praktische Tipps, die den Blutdruck senken können. Spezialisten aus den Bereichen

  • Medizin
  • Ernährung
  • Stressbewältigung und Entspannung 
  • Sport und Bewegung

helfen Ihnen im Umgang mit einem zu hohen Blutdruck und zeigen Ihnen Möglichkeiten, wie Sie dem hohen Blutdruck auf unterschiedlichen Wegen entgegensteuern können.

Was Patienten selbst tun können

Bluthochdruck-Patienten sollten ihre Werte selbst regelmäßig messen.

  • Sinnvoll sind automatische Geräte, die das Aufpumpen der Manschette übernehmen und die Werte digital anzeigen
  • Kontrollieren Sie die Werte zweimal täglich, immer zur gleichen Zeit
  • Tragen Sie Ihre Werte in ein Notizheft oder einen Blutdruckpass ein und zeigen die Aufzeichnungen ihrem Arzt
  • Fünf Minuten vor der Messung sollten Sie nicht essen, trinken, rauchen oder sich anstrengen

 

Gefäßschäden und Diabetes mellitus

Die Arteriosklerose, also die Verengung der arteriellen Gefäße, hat viele Ursachen. Bekannte Risikofaktoren sind:

  • Nikotin
  • Arterieller Bluthochdruck
  • Erhöhte Blut-Fettwerte
  • Diabetes mellitus

Ein langfristig erhöhter Blutzuckerspiegel beschleunigt die Entwicklung der Arteriosklerose. Über die verengten Arterien können nicht mehr genug Sauerstoff und andere Nährstoffe zu den Organen gelangen. Das minderversorgte Gewebe stirbt ab und es kommt zum Herzinfarkt.

Bei Diabetes mellitus gibt es zwei verschiedene Formen der Arteriosklerose:
  • Makroangiopathie (Erkrankung der großen und mittleren Arterien)
  • Mikroangiopathie (Erkrankung der kleinen und kleinsten Arteriolen und Kapillaren)

Makroangiopathie

Die Arteriosklerose der großen Gefäße läuft bei schlecht eingestellten Diabetikern beschleunigt ab. Etwa 75 Prozent der Diabetiker versterben an den Folgen. Von der Arteriosklerose betroffen sind vor allem die Herzkranzgefäße, die Arterien des Gehirns und der Beine. Im schlimmsten Fall sind Brustschmerzen bei Belastung (Angina pectroris) und Herzinfarkte, Schlaganfall und die periphere Verschlusskrankheit (pAVK) der Beine die Folge.

Mikroangiopathie

Die Schädigung der kleinen Arterien und Kapillaren macht sich bei Diabetikern vor allem am Auge (diabetische Retinopathie) und an den Nieren (diabetische Nephropathie) bemerkbar. Es drohen Erblindung und Nierenversagen.

Die diabetische Retinopathie ist die häufigste nicht-infektiöse Ursache für Erblindung in Europa. Jeder 2. Dialyse-Patient ist Diabetiker.

Weil die Gefäßerkrankungen zunächst keine Beschwerden verursachen, werden sie häufig unterschätzt und zu spät ernst genommen. Dabei liegt in der symptomfreien Zeit die große Chance, das Problem zu erkennen und aufzuhalten. Vorsorgetermine sind deshalb sehr wichtig.

Wie entstehen diabetische Gefäßschäden?

Wie genau der erhöhte Blutzuckerspiegel die Gefäße schädigt, ist noch nicht klar. Die häufig gemeinsam auftretenden Erkrankungen erhöhte Blutzuckerwerte, Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte und Übergewicht wurden aber als zusammenhängend erkannt und als metabolisches Syndrom zusammengefasst. Das metabolische Syndrom spielt eine entscheidende Rolle beim Entstehen von Arteriosklerose.

Bei erhöhtem Zucker kann dieser sich an verschiedenste Eiweißstoffe (Proteine) des Körpers anlagern und „verzuckern“ (glykosylieren). Ein Beispiel dafür nutzten die Diabetologen im St. Josef  Krankenhaus Haan diagnostisch: Die HbA1c-Messung beruht darauf, dass Eiweiße der roten Blutkörperchen (das Hämoglobin) „verzuckern“. Somit lässt sich der mittlere Blutzuckerspiegel der letzten drei bis vier Monate bestimmen, da rote Blutkörperchen etwa so lange leben. Durch die Anlagerung von Zucker an Eiweiße entstehen „Zuckerendprodukte“. Diese verbinden sich miteinander, verkleben netzartig und behindern Funktionsabläufe in und zwischen den Körperzellen. Über Folgereaktionen verändern sie die Umgebung der Zellen, regen teilweise deren Wachstum an und stören ihre Schutzmechanismen.

Gefäßwände sind bei einem schlecht eingestellten Diabetes dem aggressiven Wirken des Zuckers in besonderem Maße ausgesetzt. Als Folge werden sie durchlässig für Eiweiße oder Fette und schwellen und verdicken andererseits. Die Arterien verlieren ihre Elastizität, und können sich nicht mehr so flexibel den Druckschwankungen des Kreislaufes anpassen.

Dadurch und durch weitere Gefäßbelastungen, wie etwa erhöhten Blutdruck, entstehen Verletzungen der feinen und dünnen Gefäßinnenschicht (Endothel). An verletzten Stellen bilden sich Auflagerungen von Blutplättchen und weißen Blutkörperchen: Die Verletzung der Gefäßinnenschicht soll abgedichtet werden. Eine ungünstige Zusammensetzung der Blutfette ist bei Diabetikern oft zu finden. Diese Blutfettstörung, eine erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes und der herabgesetzte oder fehlende Schutz der „verzuckerten“ Gefäßzellen fördern die Bildung der Auflagerungen auf dem Endothel („arteriosklerotische Plaques“). Ihre „Beseitigung“ gelingt aufgrund der Zusammensetzung der Plaques und gestörter Abbauvorgänge nur eingeschränkt. Die Plaques wachsen langsam und verengen dann das Gefäß und behindern so den Blutfluss. Bildet sich in diesem Zustand durch die erhöhte Gerinnungsneigung und den veränderten Blutfluss in den verkalkten und unter Bluthochdruck stehenden Blutgefäßen eine Blutverklumpung (Blutgerinnsel), verstopft das Gefäß, es kommt zum Infarkt von Gewebe im Versorgungsgebiet dieser Blutbahn.

Welche Symptome treten bei diabetischen Gefäßschäden auf?

Gefäßerkrankungen verursachen lange Zeit keine Beschwerden. Erschwerend kommt bei Diabetikern häufig noch eine autonome Neuropathie dazu. Die Nerven sind ebenfalls angegriffen und leiten Schmerzen nicht zuverlässig weiter. Selbst ein Herzinfarkt kann dann „stumm“, das heißt schmerzfrei und unbemerkt verlaufen. Der durch das Signal „Schmerz“ gewarnte Infarktpatient würde den Arzt rufen und sich in Behandlung begeben. Der Patient mit einem „stummen Herzinfarkt“ belastet sich weiter. Das vermindert seine Überlebenschancen. Deshalb sind Vorsorge-Termine, bei denen der Arzt Art und Grad der Gefäßschäden feststellt, bedeutsam.

Wie stellt der Arzt die Diagnose und welcher Facharzt ist zuständig?

Der Facharzt für die Diagnostik und Behandlung von Gefäßschädigungen ist der Internist, Diabetologe und Angiologe. Kardiologen sind Ansprechpartner bei Erkrankungen der Herzkranzgefäße. Gefäßchirurgen vermögen darüber hinaus nicht-medikamentöse Lösungen bei Durchblutungsstörungen anzubieten. Gerade die Kooperation zwischen Angiologen, Kardiologen und Gefäßchirurgen ist entscheidend für den Erfolg der medizinischen Maßnahmen. Es gibt keine Untersuchung, die den Zustand der Gefäße an allen Organen gleichzeitig erfassen kann. Daher muss der Arzt die Organsysteme einzeln überprüfen. Die Erfassung von Gefäßschäden erfordert oftmals technische Untersuchungen zur Diagnostik.

  • Herz: EKG, Belastungs-EKG, Herz-Ultraschall (Echokardiographie), Herzstress-Ultraschall, Myokardszintigraphie oder Herzkatheter-Untersuchung
  • Gehirn: Neurologische körperliche Untersuchung, Ultraschall der hirnversorgenden Gefäße, Röntgenaufnahme der Gehirnarterien mit Kontrastmittel und Aufnahmen des Schädels mittels Magnetresonanzangiographie (Kernspintomographie) oder Computer-Tomographie.
  • Beine und Füße: Tasten der Pulse, Gehstreckentest , Messung des Blutdrucks der Fußarterien und Vergleich mit dem Blutdruck am Oberarm, Ultraschall der Gefäße (Duplexuntersuchung), Röntgenaufnahme der Beinarterien mit Kontrastmittel oder Magnetresonanzangiographie
  • Augen: Spiegelung des Augenhintergrundes
  • Nieren: Untersuchung des Urins auf Eiweiß (Albuminurie), Nierenfunktionswerte im Blut (Kreatinin, Harnsäure, Harnstoff), Messung des Blutdrucks

Wie werden diabetische Gefäßschäden behandelt?

Bislang gibt es keine Medikamente, die Gefäßschäden abbauen können. Vorbeugende Maßnahmen haben absoluten Vorrang. Bereits eingetretene Gefäßschäden an den großen Blutgefäßen werden bei Diabetikern ähnlich behandelt wie Gefäßverengungen bei Stoffwechselgesunden. Im Vordergrund steht der Versuch, den Fluss des Blutes durch die verengte Blutbahn zu erleichtern:
Blutgerinnungshemmende Medikamente hemmen die Verklumpung der Blutplättchen. Sie beugen damit der Bildung von Blutgerinnseln vor, die verengte Stellen verstopfen könnten.
Ist ein Gefäß bedrohlich eng oder bereits verschlossen, können Gefäßchirurgen es durch verschiedene operative Eingriffe erweitern

  • Aufdehnung mit einem Ballon-Katheter
  • Einsetzen einer gefäßaufdehnenden Prothese, die in die Arterie eingebracht wird (Stent)
  • „Bypass", das heißt eine Überbrückung der verengten Stelle durch eine körpereigene Vene oder ein Kunstgefäß

Die diabetische Netzhauterkrankung kann durch eine Laserbehandlung günstig beeinflusst werden. Mit dem Laser werden veränderte Kapillaren des Augenhintergrunds „verbrannt“ (koaguliert), die Stelle des schärfsten Sehens (Makula) bleibt funktionstüchtig und Einblutungen in den Glaskörper werden verhindert. Ist der Glaskörper durch Einblutungen bereits getrübt oder droht sich die Netzhaut durch vernarbte Stränge von ihrer Unterlage abzulösen, kann der Augenarzt den Glaskörper durch eine klare Flüssigkeit ersetzen (Vitrektomie). Ein optimal eingestellter Blutdruck (<135/85mmHg) ist neben der normnahen Blutzuckereinstellung der beste Schutz für diabetisch veränderte Nierengefäße. Blutdrucksenkende Medikamente schonen die Niere in besonderer Weise.

Wie ist die Prognose?

Die Prognose Ihrer Gefäßschädigung liegt vor allem auch in Ihrer Hand. Vermeiden Sie Risikofaktoren. Gefäßschäden lassen sich so vermeiden oder hinauszögern. Gehen Sie regelmäßig zum ärztlichen „Gefäß-Check-up“. Für weiterführende und individuelle Fragestellungen zum Thema „Gefäßschäden“ stehen wir Ihnen im Diabeteszentrum Rheinland Haan zur Verfügung.

Polyneuropathie und Diabetes mellitus

Mehr als die Hälfte aller Diabetiker entwickeln eine Nervenschädigung (Polyneuropathie), wenn sie länger als zehn Jahre an Diabetes erkrankt sind. Sie beeinträchtigt die Wahrnehmung von Reizen und die Funktion von Organen. Die wesentliche Ursache ist ein schlecht eingestellter Diabetes mit langfristig erhöhten Blutzuckerwerten. Die Schädigung der Nerven setzt nicht erst ein, wenn die ersten Beschwerden bei den Patienten auftreten. Sie beginnt viel früher und verläuft so schleichend, dass die Diabetiker selbst lange nichts bemerken. Das Risiko einer Polyneuropathie lässt sich durch einen gut eingestellten Stoffwechsel verringern.

Wie entsteht eine Nervenschädigung?

Die Ursachen für die Nervenschädigung sind bislang nicht vollständig geklärt. Eindeutig ist aber, dass ein schlecht eingestellter Diabetes mit hohen Blutzuckerwerten die Nervenschädigung begünstigt. Vermutlich stören Zucker-Eiweiß-Verbindungen die Nervenzellfunktionen und führen dann zum unwiederbringlichen Verlust der Funktion. Möglicherweise sind auch Schädigungen der Blutgefäße, die die Nerven versorgen, für die diabetische Polyneuropathie mit verantwortlich. Aufgrund der Nervenschädigung werden Reize nicht mehr richtig an das Rückenmark, Gehirn und das autonome Nervensystem weitergeleitet.

Welche Beschwerden treten bei Nervenschädigungen auf?

Der Begriff der diabetischen Neuropathie fasst unterschiedliche Störungen, die jeden Nerv des Körpers betreffen können, zusammen. Es gibt zwei Hauptformen.

  1. Die periphere Polyneuropathie betrifft das durch den Willen beeinflussbare Nervensystem, beispielsweise die Nerven, die für die Muskelbewegung verantwortlich sind.
  2. Die autonome Polyneuropathie zieht das unwillkürliche, nicht dem eigenen Willen gehorchende Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus) in Mitleidenschaft. Es reguliert beispielsweise das wechselnde Tempo des Herzschlags oder die Magen-Darmbewegungen bei der Verdauung.

Periphere Polyneuropathie

Bei der peripheren Neuropathie treten Beschwerden zunächst an Füßen und Beinen, später manchmal auch an Händen und Armen auf. Die Patienten klagen über brennende und stechende Schmerzen, die vor allem in Ruhe oder nachts auftreten, sowie über Kribbeln und Taubheitsgefühl. Druck, Berührung, Schmerzen und Temperatur empfinden sie nur noch schwach und schließlich überhaupt nicht mehr. Durch das fehlende Schmerzempfinden kann unter Umständen ein diabetisches Fußsyndrom entstehen. Bei etwa 90 Prozent der Diabetiker betrifft die Nervenschädigung beide Körperseiten. Die Nerven der kleinen Muskeln des Fußes sind frühzeitig und häufig betroffen. Die Muskelkraft in den Armen und Beinen kann nachlassen. Es kann sogar zu Fehlstellung der Gliedmaßen, insbesondere des Fußgewölbes, kommen.

Autonome Polyneuropathie

Bis zu 50 Prozent der Diabetiker leiden nach 20-jähriger Krankheit an einer autonomen Polyneuropathie. Die Beschwerden sind davon abhängig, welche Organe betroffen sind.

  • Die Nervenfunktionen, die die Herzschlagfolge und den Blutkreislauf regulieren, sind häufig beeinträchtigt. Der Herzruhepuls kann erhöht sein oder der Herzpuls steigt unter Belastung nur unzureichend an. Außerdem besteht die Gefahr eines schmerzlosen Herzinfarktes.
  • Beim Aufstehen kann der Blutdruck nicht mehr aufrechterhalten werden und dem Patienten wird schwindelig.
  • Ist das Hormonsystem betroffen, bemerken die Diabetiker nicht, wenn der Blutzuckerspiegel zu niedrig ist (Hypoglykämie). Oft fehlen die typischen Symptome wie Schweißausbruch oder innere Unruhe.
  • Ist der Magen-Darm-Trakt befallen, leiden die Patienten unter Schluckstörungen, Völlegefühl oder wechselweise Durchfall und Verstopfung. Die Beeinträchtigung der Magenentleerung ist ein Problem, das oft spät erkannt und zu wenig bedacht wird. Entleert der Magen die aufgenommene Nahrung nur mit stundenlanger Verspätung, können unter einer Insulintherapie Unterzuckerungen trotz Nahrungsaufnahme eintreten. Das gespritzte Insulin gelangt schneller in die Blutbahn als die Kohlenhydrate aus der Nahrung.
  • Werden die Harn- und Geschlechtsorgane in Mitleidenschaft gezogen, haben die Diabetiker beispielsweise kein Gefühl mehr, wie stark die Harnblase gefüllt ist. Die Folge ist unkontrolliertes Wasserlassen. Bei Männern können Potenzstörungen auftreten.

Wie erkennt der Arzt die Nervenschädigung?

Die diabetische Neuropathie beginnt schleichend und oft unbemerkt. Ärzte können zumindest die periphere Nervenschädigung schon frühzeitig diagnostizieren. Es werden folgende einfache Untersuchungen durchgeführt

  • Ein Stimmgabeltest zeigt, ob der Patient Vibrationen noch genau wahrnimmt. Eine angeschlagene Stimmgabel wird dafür an hervorstehende Knochenanteile an Armen oder Beinen (z. B. Fuß- und Handknöchel) gehalten.
  • Test der Kalt-Warm-Empfindung am Fuß
  • Ärzte prüfen mit Hilfe eines Reflexhammers, wie gut die Reflexe funktionieren.
  • Das Elektromyogramm (EMG) zeichnet die Aktivität einzelner Muskeln auf, die Elektroneurographie (ENG) die Nervenaktivität. Die Untersuchungen zeigen, welche Form der Neuropathie vorliegt.
  • Ein Elektrokardiogramm (EKG) und die Blutdruckwerte im Stehen und Liegen zeigen, ob das Herz betroffen ist.

Nehmen Sie die Möglichkeit der jährlichen Vorsorgeuntersuchung bei Ihrem behandelnden Arzt wahr. Dieser kann Sie an entsprechende Fachärzte weiterleiten, z. B. an einen Facharzt für Neurologie (Nervenheilkunde). Durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen können Sie unangenehme Folgen verhindern.

Wie wird eine Polyneuropathie bei Diabetes behandelt?

Der wichtigste Schritt ist ein langfristig gut eingestellter Blutzuckerstoffwechsel. Je schlechter die Blutzuckerwerte sind, desto früher und ausgeprägter treten polyneuropathiebedingte Beschwerden auf.

Es gibt bestimmte Methoden, die zwar die Nervenschädigungen nicht rückgängig machen können, aber die Beschwerden lindern.

  • Neuropathische Schmerzen sind mit Schmerzmedikamenten und solchen, die die Hirnfunktionen dämpfen (Antidepressiva, Antiepileptika), behandelbar. Die zum Teil erheblichen unerwünschten Arzneimittel-Wirkungen schränken den Einsatz jedoch ein.
  • Gegen die Nervenschmerzen helfen in manchen Fällen auch Nervenstimulationen, Akupunktur und Bädertherapien.
  • Gegen Übelkeit und Erbrechen helfen in der Anfangsphase einer Neuropathie Medikamente, welche die Magen-Darm-Bewegung anregen. Im fortgeschrittenen Stadium versagen auch diese wenigen Behandlungsoptionen.

Was können Sie selbst tun?

Sie können einer Neuropathie nur vorbeugen, indem Sie auf optimale Blutzuckerwerte achten und die jährlichen Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen.
Untersuchen Sie täglich Ihre Füße, da die Nervenschädigung dort am häufigsten auftreten. Die Untersuchung der Füße gelingt am einfachsten mit einem Spiegel. Sie können Wunden und Druckstellen erkennen und so frühzeitig mit einer Behandlung beginnen.

Verzichten Sie auf Alkohol, wenn Sie bereits unter einer Neuropathie leiden, denn Alkohol schädigt die Nervenbahnen.

Welche Folgen hat die Nervenschädigung?

Ein langfristig gut eingestellter Blutzucker verhindert, dass die Nervenschäden fortschreiten. Besondere Gefahr besteht, wenn die Nerven des Herzens geschädigt sind. Bei einem Fünftel der Patienten ist bereits das Herz von der Nervenschädigung betroffen, wenn die Diagnose Diabetes gestellt wird. Die Patienten bemerken dies nicht. Sie haben ein vierfach höheres Risiko, an einem plötzlichen Herztod zu sterben, da der Infarkt sich nicht durch Schmerzen ankündigt.

Funktionsdiagnostik und Ambulanz

Die Funktionsdiagnostik im Diabeteszentrum Rheinland Haan umfasst

  • Die Funktionsdiagnostik im Diabeteszentrum Rheinland Haan umfasst

  • Ruhe-EKG, Funktions-EKG; 24-Std.-EKG
  • Belastungs-EKG
  • 24-Stunden-Blutdruckmessung
  • Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse und des Bauchraumes
  • Ultraschalldoppler-Sonographie der Arterien und Venen
  • Herzfrequenzvariations-Analyse
  • Nervenleitgeschwindigkeitsmessung
  • Magensonographie
  • Insulin-Allergietestung

Eine weiterführende Diagnostik ist in den verschiedenen Abteilungen des St. Josef Krankenhauses Haan möglich. Die Arzthelferinnen sind außerdem für die Mitbetreuung der Ambulanzen für, Insulinpumpenpatienten,  und die Diabetes- Fußambulanz am Diabeteszentrum Rheinland Haan zuständig.

Diabetes und Sport

Jede Form von körperlicher Aktivität wirkt sich beim Diabetiker auf den Blutzucker aus und verändert somit den Insulinbedarf. Im Diabeteszentrum Rheinland Haan können Patienten aktiv Erfahrungen auf dem Gebiet Sport/Bewegung mit Diabetes machen. Zu diesem Zweck wurde ein speziell eingerichteter Fitnessraum geschaffen, in dem die Patienten ganz individuell belastet werden können. Hier arbeitet Diplom-Sportlehrer Lutz Plümacher mit Patienten aller Altersstufen unabhängig von deren persönlichem Fitnesszustand. Auf der Grundlage eines individuellen Bewegungsprogramms wird versucht, den Patienten Freude an der Bewegung zu vermitteln. Ziel ist es, die Patienten so zu motivieren, dass sie in Zukunft ihren Alltag aktiver gestalten.

Die Sport- und Bewegungsstunden finden in Kleingruppen statt, so dass eine ganz persönliche Betreuung garantiert wird. Wir bieten an

  • individuelles Ausdauertraining mit Insulinanpassung
  • individuelles Kräftigungstraining
  • Funktionsgymnastik/Fußgymnastik
  • Gefäßtraining für Patienten mit Durchblutungsstörungen
  • Standardisierte Wegstreckenmessung zur Diagnostik der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit

Um eine Umsetzung und Steigerung der körperlichen Aktivität auch nach der Entlassung nahtlos weiterzuführen, haben wir auf Wunsch vieler Patienten eine ambulante Diabetiker-Sportgruppe eingerichtet, die sich zweimal pro Woche für etwa 90 Minuten im Fitnessraum des Diabeteszentrums Rheinland Haan trifft.

Dort wird in Kleingruppen die Blutzuckerlage und die geplante Aktivität besprochen und entsprechend reagiert, gegebenenfalls auch die bisherige Insulintherapie angepasst. Regelmäßig finden Blutdruckkontrollen und Kontrollen des Körperfettanteils statt, um ergänzende Ziele, wie die Anpassung der Blutdruck-Medikation und eine weitere Gewichtsreduktion bzw. Stabilisierung des Gewichtes mit Muskelaufbau und Fettabbau zu erreichen und dabei letztlich die Teilnehmer weiter zu motivieren, Sport und Bewegung als wichtige therapeutische Ergänzung zur Medikation und Insulintherapie bei Diabetes mellitus wahrzunehmen.

Diabetes und Psychologie

Wer an Diabetes erkrankt ist, muss sich an Regeln halten, auf Ernährung und Körpergewicht achten, Werte berechnen, Blutzucker messen, Ängste vor Folgen und schlechtem Blutzuckerspiegel (Hypo- oder Hyperglykämien) haben und oft auch Rückschläge aushalten. Das wirkt sich natürlich auch auf die psychische Befindlichkeit aus. Psychische Störungen treten bei Diabetikern fast doppelt so häufig auf wie in der Allgemeinbevölkerung. Weil meistens die körperliche Krankheit im Vordergrund steht, wir die Psyche oft übersehen oder bagatellisiert. Psychische Störungen können dadurch chronisch werden. Patienten vernachlässigen dann ihre Diabetes-Therapie mit Blutzuckerkontrollen, diabetesgerechter Kost und Bewegung. Zudem verändern einige psychische Störungen ggf. den Hormonhaushalt und verringern die Wirkung des Insulins. Deshalb ist es wichtig, eine eventuell vorhandene psychische Erkrankung so schnell wie möglich fachkundig behandeln zu lassen.

Diabetes und Depression

Diabetiker erkranken bis zu dreimal so häufig an Depressionen wie Menschen ohne Diabetes – und oft werden sie gar nicht erkannt. Vor allem im höheren Alter ist eine depressive Erkrankung bei Diabetikern mit einem wesentlich höheren Risiko für Folgeerkrankungen verbunden. Auch die Sterblichkeit ist bei depressiven Diabetes-Patienten höher. Selbst depressive Verstimmungen können das Gesundheitsverhalten so weit beeinträchtigen, dass die Blutzuckerwerte sich verschlechtern. Dadurch entsteht Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit, was wiederum die depressive Stimmung verstärkt – ein Teufelskreis.

Zusätzlich zu den allgemeinen Risiken, eine Depression zu entwickeln, gibt es einige Diabetes-spezifische Risiken:

  • Ein schlecht eingestellter Blutzucker führt zu erhöhten Blutzucker-Langzeitwerten (HbA1c), die ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit hervorrufen und dadurch eine Depression begünstigen.
  • Akutkomplikationen wie schwere Unterzuckerungen, zu deren Behandlung fremde Hilfe notwendig ist, verstärken das Gefühl der Hilflosigkeit und der Unkontrollierbarkeit des Blutzuckers.
  • Diabetes-bedingte Gesundheitsbeeinträchtigungen (z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen) erhöhen das Depressionsrisiko um das sechsfache.

Die Diagnose Despression ist im Allgemeinen sehr einfach im Arzt-Patienten-Gespräch zu stellen. Es gibt auch Fragebögen, die unkompliziert und schnell die richtige Diagnose ermöglichen. Bei rechtzeitiger Diagnose einer Depression und der richtigen Therapie sind die Behandlungserfolge sehr gut (circa 80 Prozent Besserung bzw. Heilung). Die beiden wichtigsten Therapiemaßnahmen sind Psychotherapie und Medikamente gegen die Depression (Antidepressiva).

Angststörungen

Auch Angststörungen treten bei Diabetes-Patienten circa doppelt so häufig auf, wie in der Allgemeinbevölkerung. Schätzungen zufolge sind etwa 20 Prozent aller Diabetiker betroffen. Hierbei sind einige Diabetes-spezifische Ängste besonders häufig:

  • Angst vor Unterzuckerung (Hypoglykämie)
  • Angst vor der Insulininjektion
  • Angst vor Folgekrankheiten

Die hauptsächlichen Anzeichen von Angststörungen sind körperliche Angstsymptome (Beklemmungsgefühl, Herzklopfen u. a.) und ängstliche Gedanken (Angst vor Kontrollverlust, Angst zu sterben) in bestimmten Situationen.

Personen, die diese Anzeichen haben, sollten sich an ihren Arzt oder einen Psychologen wenden, der feststellen kann, ob eine Angststörung vorliegt. Leitfragen oder Fragebögen ermöglichen zumeist eine unkomplizierte und schnelle Diagnosestellung.

Angst vor Unterzuckerung

Diabetologen sprechen von einer Hypoglykämie (Unterzuckerung), wenn der Blutzucker unter 80mg/dl fällt. Der Körper reagiert hierauf mit einer Ausschüttung von Stresshormonen und einem Glukosemangel im Gehirn. Hypoglykämien sind sehr unangenehm und auch gefährlich, da sie zu Bewusstlosigkeit führen können. Deshalb haben viele Diabetiker Angst davor. Wer einmal eine Situation erlebt hat, in der er sich durch eine Hypoglykämie hilflos und ausgeliefert fühlte, fängt möglicherweise an, solche Situationen zu vermeiden, indem er z. B. bestimmte Orte nicht mehr aufsucht, Aktivitäten oder Hobbies aufgibt, soziale Kontakte einschränkt, nicht mehr aus dem Haus geht oder die Blutzuckerwerte extra zu hoch hält und extrem häufig den Blutzucker misst. Dies führt entweder zu einer Einschränkung der Lebensqualität oder zu gesundheitsschädlichen Blutzuckerlangzeitwerten (HbA1c).

Panikstörung

Ein Panikanfall äußert sich mit plötzlichen schweren Angstsymptomen, die von Person zu Person variieren. Typische Symptome sind:

  • Herzklopfen
  • Brustschmerz
  • Erstickungsgefühle
  • Schwindel
  • Entfremdungsgefühle
  • Angst vor Kontrollverlust
  • Angst zu sterben

Viele dieser Angstsymptome sind denen einer Hypoglykämie ähnlich. Deshalb ist es für die Betroffenen häufig schwierig, zwischen Symptomen von Angst und Hypoglykämie zu unterscheiden. Häufig erlebte Hypoglykämien können zudem die Entwicklung einer Panikstörung begünstigen, da das Erleben einer schweren Unterzuckerung dazu führt, dass eine ständige Angst bleibt, so etwas könnte wieder geschehen. Dadurch ist das körperliche Anspannungsniveau dauerhaft erhöht, was wiederum einen Panikanfall wahrscheinlicher macht. Um zwischen Angstsymptomen und Anzeichen von Unterzucker unterscheiden zu können, ist es wichtig, die eigenen Anzeichen einer Hypoglykämie klar erkennen zu können.

Behandlung von Angststörungen

Bei rechtzeitiger und richtiger Diagnose einer Angststörung und der richtigen Behandlung sind die Behandlungserfolge sehr gut. Die Therapie der ersten Wahl bei Angststörungen ist eine Psychotherapie (hier vor allem die Verhaltenstherapie). Angstlösende Medikamente können zwar akut die Angst reduzieren, bergen jedoch ein hohes Risiko der Abhängigkeit. Ergeben sich Hinweise auf Diabetes-spezifische Ängste (z. B. Unterzuckerangst, Angst vor dem Insulinspritzen), sollte als Methode der ersten Wahl eine Verhaltenstherapie bei einem diabetologisch erfahrenen Psychotherapeuten erfolgen.

Diabetes und Essstörungen

Die Diabetes-Erkrankung verlangt vom Betroffenen eine ständige Beschäftigung mit Nahrungsmitteln und deren Zusammensetzung. Diese gedankliche Beschäftigung mit Essen und allem, was damit zusammenhängt, ist ein Hauptsymptom bei Essstörungen. Daher ist es nachvollziehbar, dass Essstörungen bei Diabetikern häufiger vorkommen. Junge Frauen mit Typ-1-Diabetes haben doppelt so häufig „nicht näher bezeichnete Essstörungen“ wie gleichaltrige Frauen ohne Diabetes. Es handelt sich hierbei um Probleme mit dem Essen, die das Vollbild einer Anorexie oder einer Bulimie nicht erfüllen, aber dennoch auffällig sind. Auch die Binge Eating Disorder (Essattacken ohne anschließendes Erbrechen) fällt in diesen Bereich. Die Betroffenen essen hierbei große Mengen hochkalorischer Speisen in kurzer Zeit, häufig begleitet von einem Gefühl, nicht mehr aufhören zu können. Anschließend kommt es meist zu Ekelgefühlen gegenüber sich selbst, Niedergeschlagenheit oder Schuldgefühlen.

Insulin-Purging

Eine Diabetes-spezifische Form des gestörten Essverhaltens ist das Insulin-Purging. Hierbei wird die Menge des gespritzten Insulins absichtlich zu gering gehalten, um eine Gewichtsabnahme zu erreichen. Für Personen mit starker Fokussierung auf ein schlankes Körperbild ist diese Möglichkeit attraktiv, jedoch besteht die Gefahr lebensbedrohlicher akuter Stoffwechselentgleisungen (diabetisches Koma) und schwerwiegender Langzeitfolgen.

Alkoholabhängigkeit

Alkoholabhängigkeit tritt bei Diabetikern nicht häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Dennoch gibt es einige wichtige Besonderheiten

  • Alkoholmissbrauch erhöht das Risiko, an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken.
  • Chronischer Alkoholmissbrauch kann zu einer alkoholbedingten Bauchspeicheldrüsenentzündung führen, welche eine Diabetes-Erkrankung zur Folge haben kann.
  • Abhängigkeit von Alkohol erhöht das Risiko von Folge- und Begleiterkrankungen des Diabetes, wie Bluthochduck, erhöhte Blutfettwerte, Nervenschmerzen an den Füßen, diabetesbedingte Fußprobleme oder Erektionsstörungen bei Männern.

Eine erfolgreiche Selbstbehandlung des Diabetes ist durch den Alkoholkonsum stark erschwert.

Behandlung der Alkoholabhängigkeit

Wegen der erhöhten Gesundheitsgefahren ist es gerade bei Diabetikern sehr wichtig, eine Alkoholerkrankung behandeln zu lassen. Es gibt viele verschiedene Therapieangebote, die ambulant oder stationär erfolgen können. Welches Angebot geeignet ist, sollten Betroffene mit Ihrem Arzt besprechen.

Diabetes und Nikotinabhängigkeit

Menschen mit Diabetes rauchen etwa genauso häufig wie Menschen ohne Diabetes. Jedoch bestehen für rauchende Diabetiker wesentlich höhere Gesundheitsgefahren

  • Rauchen erhöht das Risiko, an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken.
  • Rauchen ist ein wichtiger zusätzlicher Risikofaktor für diabetische Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauferkrankungen, Schlaganfall, Bluthochdruck, Nervenschmerzen, Durchblutungsstörungen, Fußprobleme, Erektionsstörungen.
  • Rauchen erhöht sehr stark das Risiko für eine diabetische Nierenerkrankung.
  • Rauchen führt in Verbindung mit Diabetes zu einer erhöhten Sterblichkeit.

Behandlung der Nikotinabhängigkeit

Aufgrund der erhöhten Gesundheitsrisiken ist ein Nichtrauchertraining für Patienten mit Diabetes besonders wichtig. Betroffene können bei ihrem Hausarzt nach entsprechenden Angeboten in ihrer Nähe fragen. Weitere Informationen und die Behandlungsleitlinien zu den spezifischen psychischen Erkrankungen finden Sie auch auf der Seite der Arbeitsgemeinschaft Psychologie und Verhaltensmedizin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG): www.diabetes-psychologie.de.

Diabetes-Schulungen

Wir Diabetologen wollen, dass unsere Patienten gut mit ihrer Diabeteserkrankung leben lernen. Deshalb wird im Diabeteszentrum Rheinland Haan großer Wert auf die strukturierte Schulung der Diabetiker gelegt, die von unseren ausgebildeten Diabetesberatern-DDG (Deutsche Diabetesgesellschaft) durchgeführt wird. Neben der strukturierten Schulung nach den Richtlinien der Deutschen Diabetesgesellschaft sind für uns selbstverständlich:

  • individuelle Beratung der Patienten zu speziellen Fragestellungen bei Diabetes mellitus
  • Information für Familienangehörige
  • Ernährungsberatungen

Außerdem bieten wir Angebote für Patienten mit speziellen Fragestellungen an:

  • Beratung und Therapie bei Diabetes und Schwangerschaft
  • altersgerechte Behandlung diabetischer Kinder und Jugendlicher
  • individuelle medikamentöse Einstellung des Diabetes mellitus und Anwendung aller gängigen Therapieformen inklusive der Insulinpumpen-Therapie (CSII) und der Sensor-unterstützten Insulinpumpentherapie (SUP)

Welche Insulintherapie in Frage kommt, hängt nicht unwesentlich von der Bereitschaft des Patienten ab, sich mit seiner Krankheit auseinanderzusetzen und an Diabetiker-Schulungen teilzunehmen. Alltag, Beruf, spezielle Ernährungsgewohnheiten und Sport lassen basierend auf einer Diabetes-Schulung meist gut mit Diabetes mellitus in Einklang bringen.

Die Diabetes-Schulungen am St. Josef Krankenhaus Haan bieten beispielsweise Informationen zu:

  • Erkrankung: Was ist Diabetes mellitus? Welche akuten Komplikationen und welche Folgen gibt es und wie können Diabetiker vorbeugen?
  • Insulin-Therapie: Brauche ich eine Insulintherapie oder helfen andere blutzuckersenkende Medikamente ausreichend?  Wie spritze ich welches Insulin-Präparat? Wie viel Insulin muss ich wann spritzen? Wie passe ich die Dosis an Ernährung und Sport an? Wie erkenne und behandle ich Komplikationen?
  • Blutzucker-Selbstkontrolle: Wie funktioniert ein Blutzuckermessgerät? Wie oft sollte ich messen? Wie dokumentiere und interpretiere ich die Werte? Profitiere ich evt. von einer kontinuierlichen subkutanen Glucose-Messung (CGM)?
  • Alltag: Welche Folgen haben Diabetes mellitus und Insulin-Behandlung für meinen Alltag? Wie muss ich mich ernähren? Welchen und wie viel Sport kann ich treiben?
  • Verlaufsuntersuchungen: Wann sollte ich welche Untersuchungen durchführen lassen? Was bedeuten die Befunde und welche Konsequenzen ergeben sich daraus?

 

In unserer von der DDG (Deutsche Diabetesgesellschaft) anerkannten Schulungseinrichtung sind Sie gut aufgehoben: Ärzte, Diätassistenten, Diabetesberater, Sporttherapeuten, ärztlich geschultes Pflegepersonal, Psychologen und Sozialarbeiter unterstützen Sie.

Klinische Sozialarbeit bei Diabetes mellitus

Die Notwendigkeit psychosozialer/sozialarbeiterischer Beratung ergibt sich durch die Erkrankung Diabetes mellitus selbst und durch die oft mit dieser Krankheit verbundenen Folgeerkrankungen. Eng verknüpft mit der Krankheitsbewältigung und Entwicklung von Perspektiven bietet die klinische Sozialarbeit für Diabetiker folgende Beratungsthemen

  • Diabetes und Beruf
  • berufliche Rehabilitation
  • Schwerbehindertenrecht nach dem SGB IX, dabei insbesondere die Vor- und Nachteile bei der Beantragung eines Schwerbehindertenausweises
  • Erwerbsminderungsrente
  • medizinische Rehabilitation
  • Behandlungspflege/Pflege im häuslichen Bereich geschieht in enger Kooperation mit der Fachkraft des St. Josef Krankenhauses Haan für Pflegeüberleitung, die für eine optimale nachstationäre ambulante Pflege sorgt (ausgerichtet nach den neuesten Pflegestandards), bei der Vermittlung eines Pflegedienstes hilft und notwendige Pflegehilfsmittel beantragt
  • Ein besonderes Augenmerk gilt jugendlichen Diabetikern. Da sie durch Pubertät und Nachpubertät krisenanfälliger sind, können sie durch klinische Sozialarbeit das Angebot wahrnehmen, private und berufliche Perspektiven zu erarbeiten.

Die klinische Sozialarbeit bietet in jeder Schulungsgruppe eine Unterrichtseinheit „Soziale Aspekte“ an. Hier werden Patienten rund um den Schwerbehindertenausweis, über Diabetes und Beruf sowie Diabetes und Führerschein geschult.

 

Gut zu wissen

Diabetes-Fußambulanz

Die Versorgung der Patienten mit diabetischem Fußsyndrom erfolgt außerhalb der üblichen Dienstzeiten über die ärztliche Notaufnahme der Abteilung für Innere Medizin des St. Josef Krankenhauses Haan.

Abgerundet wird die Arbeit in der Diabetes-Fußambulanz durch die regelmäßige Anwesenheit des Orthopädieschumachermeisters Uwe Rhefus, Dormagen, und das Angebot zur medizinischen Fußpflege und Heilkunde am Fuß.

Das Diabeteszentrum Rheinland Haan arbeitet mit allen Orthopädieschumacherbetrieben und Sanitätshäusern der Umgebung zusammen.

In Notfällen erreichen Sie die Diabetes-Fußambulanz außerdem über die Anmeldung im Diabeteszentrum Rheinland Haan oder in dringenden Fällen bei diabetischem Fußsyndrom über den Empfang des St. Josef Krankenhauses Haan.
 

Sportgruppe

im Diabeteszentrum Rheinland Haan

Jede Form von körperlicher Aktivität — Muskelarbeit — wirkt sich beim Diabetiker auf den Blutzucker aus und verändert somit den Insulinbedarf.

Im Diabeteszentrum Rheinland Haan können Patienten aktiv Erfahrungen auf dem Gebiet Sport/Bewegung mit Diabetes machen. Zu diesem Zweck wurde ein speziell eingerichteter Fitnessraum geschaffen, in dem die Patienten ganz individuell belastet werden können.

Hier arbeitet Diplom-Sportlehrer Lutz Plümacher mit Patienten aller Altersstufen unabhängig von deren persönlichem Fitnesszustand. Auf der Grundlage eines individuellen Bewegungsprogramms wird versucht, den Patienten Freude an der Bewegung zu vermitteln. Ziel ist es, die Patienten so zu motivieren, dass sie in Zukunft ihren Alltag aktiver gestalten.

Die Sport- und Bewegungsstunden finden in Kleingruppen statt, so dass eine ganz persönliche Betreuung garantiert wird.

Wir bieten an

  • individuelles Ausdauertraining mit Insulinanpassung
  • individuelles Kräftigungstraining
  • Funktionsgymnastik/Fußgymnastik
  • Gefäßtraining für Patienten mit Durchblutungsstörungen
  • standardisierte Wegstreckenmessung zur Diagnostik der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit
  • altersgemäße sportliche Aktivitäten bei Kinderschulungen
  • sportliche Tagesaktivitäten

Um eine Umsetzung und Steigerung der körperlichen Aktivität auch nach der Entlassung nahtlos weiterzuführen, haben wir auf Wunsch vieler Patienten eine ambulante Diabetiker-Sportgruppe eingerichtet, die sich zweimal pro Woche für etwa 90 Minuten im Fitnessraum des Diabeteszentrums Rheinland Haan trifft.

Dort wird in Kleingruppen die Blutzuckerlage und die geplante Aktivität besprochen und entsprechend reagiert, gegebenenfalls auch die bisherige Insulintherapie angepasst. Regelmäßig finden Blutdruckkontrollen und Kontrollen des Körperfettanteils statt, um ergänzende Ziele wie die Anpassung der Blutdruck-Medikation und eine weitere Gewichtsreduktion bzw. Stabilisierung des Gewichtes mit Muskelaufbau und Fettabbau zu erreichen und dabei letztlich die Teilnehmer weiter zu motivieren, Sport und Bewegung als wichtige therapeutische Ergänzung zur Medikation und Insulintherapie bei Diabetes mellitus wahrzunehmen.

Erweitert wurde das Angebot der ambulanten Sportgruppe um eine Atemtherapie zur Kräftigung im Alltag für COPD-Betroffene.

So sichern wir unsere Qualität

Qualitätsmanagement im Diabeteszentrum Rheinland Haan

Die Selbstverpflichtung des Diabeteszentrums Rheinland Haan, an Qualitätssicherungsmaßnahmen teilzunehmen, unterstreicht den Willen des Hauses, die qualitativ hochwertige und strukturierte Arbeit auch in Zukunft weiter fortzuschreiben und zu entwickeln. Zu den Qualitätssicherungsmaßnahmen gehören

  • Anerkennung als Diabetesbehandlungszentrum für Typ-1-Diabetiker nach den Richtlinien der Deutschen Diabetesgesellschaft (DDG)
  • Anerkennung als Diabetesbehandlungszentrum für Typ-2-Diabetiker nach DDG
  • Diabetesschulungszentrum für Typ-1-Diabetiker nach den Richtlinien der Arbeitsgemeinschaft klinischer Diabeteseinrichtungen (AKD)
  • Diabetesschulungszentrum für Typ-2-Diabetiker nach AKD
  • Stationäre Behandlungseinrichtung für Patienten mit diabetischem Fußsyndrom (Arbeitsgemeinschaft Diabetischer Fuß der Deutschen Diabetes Gesellschaft)
  • Ambulante Behandlungseinrichtung für Patienten mit diabetischem Fußsyndrom

TOP nationales Krankenhaus 2020 Diabetes

in Deutschland

Im aktuellen Krankenhausvergleich des Nachrichtenmagazins Focus ist das Diabeteszentrum Rheinland Haan am St. Josef Krankenhaus Haan eines der Top-Zentren in Deutschland.

 

Zertifiziertes Diabeteszentrum

Das Diabeteszentrum Rheinland Haan ist von der Deutschen Gesellschaft für Diabetologie zertifiziert.

 

Klinik für Diabetespatienten geeignet

Von der Deutschen Gesellschaft für Diabetologie mit dem Siegel "Für Diabetespatienten geeignet" ausgezeichnet.

 

Zertifizierte Fußbehandlungseinrichtung

Das Diabeteszentrum Rheinland Haan ist von der Deutschen Gesellschaft für Diabetologie als Fußbehandlungseinrichtung zertifiziert.

 

Kontakt

Dr. Ingo Röhrig

Chefarzt

Facharzt für Innere Medizin,
Endokrinologie und Diabetologie
Diabetologe DDG
Angiologie
Hypertensiologe DHL®

Dorothee Braun

Sekretariat

Telefon 0 21 29/9 29-4 28 78

E-Mail an das Diabeteszentrum

Montag bis Freitag 7.30 Uhr bis 15.30 Uhr; Donnerstag bis 14.00 Uhr

Marion Weber

Anmeldung Diabeteszentrum Rheinland Haan

Telefon 0 21 29/9 29-4 28 00

Telefax 0 21 29/9 29-4 28 56

E-Mail an Marion Weber

Montag bis Donnerstag 7.00 bis 15.30 Uhr
Freitag 7.00 bis 14.00 Uhr 
 

Sprechstunden

Diabetes-Fußambulanz

Montag bis Donnerstag 8.00 bis 12.00 Uhr
Freitag 7.30 bis 11.30 Uhr

Wir bitten um telefonische Terminvereinbarung mit der Diabetes-Fußambulanz.

Insulinpumpenambulanz

Termine nach Vereinbarung mit der Anmeldung des Diabeteszentrums.

Typ-2-Diabetes-Ambulanz

Termine nach Vereinbarung mit der Anmeldung des Diabeteszentrums.

Schwangerschafts-Diabetes-Ambulanz

Nach Überweisung durch Diabetesschwerpunktpraxen. Termine nach Vereinbarung mit der Anmeldung des Diabeteszentrums.

 

 

 

 

Team

Majda Omran Almotaa

Funktionsoberärztin

Fachärztin für Innere Medizin, Nephrologie, Hypertensiologin DHL®

Konstantinos Koutsianas

Oberarzt

Facharzt für Innere Medizin

Dr. Valérie Nuhn

Funktionsoberärztin

Fachärztin für Innere Medizin

Holger Cziesla

Stoffwechseleinstellung und Diabetesschulung

Diabetesberater-DDG

Telefon 0 21 29/9 29-4 28 94

Telefax 0 21 29/9 29-4 28 56

E-Mail an Holger Cziesla
 

Maria Lipinski

Stoffwechseleinstellung und Diabetesschulung

Diplom-Ökotrophologin, Diabetesberaterin-DDG

Telefon 0 21 29/9 29-4 28 95

Telefax 0 21 29/9 29-4 28 56

E-Mail an Maria Lipinski

Ulli Jeddi

Diabetes-Fußambulanz

Telefon 0 21 29/9 29-4 28 29

Telefax 0 21 29/9 29-4 28 29

E-Mail an Ulli Jeddi

Francisca Rademacher

Podologie

Telefon 0 21 29/9 29-4 28 98

Telefax 0 21 29/9 29-4 28 29

E-Mail an Francisca Rademacher

Behandlungszeiten: 
Montags und mittwochs, 8.00 bis 18.00 Uhr

Termine nur nach Vereinbarung.

Lutz Plümacher

Sport im Diabeteszentrum Rheinland Haan

Diplom-Sportlehrer

Telefon 0 21 29/9 29-4 20 91

Telefax 0 21 29/9 29-4 28 56

E-Mail an Lutz Plümacher

Johanna Landgraf

Psycholgische Betreuung

Diplom-Psychologin

Telefon 0 21 29/9 29-0 (Empfang)

Der Empfang stellt gerne den Kontakt her.

E-Mail an Johanna Landgraf

Weiterbildung

Innere Medizin

St. Josef Krankenhaus Haan

Basisweiterbildung Innere Medizin und Allgemeinmedizin
Umfang 36 Monate
Befugte Ärzte: Dr. med. Henning Henke, Dr. med. Ingo Röhrig

Diabetologie

St. Josef Krankenhaus Haan

Zusatz-Weiterbildung Diabetologie
Umfang 18 Monate
Befugter Arzt: Dr. med. Ingo Röhrig

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